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Nahalat tsevi · 1935-03-01 · Heft 7-8 (März 1935) · p. Seite 227

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 7-8 (März 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 227 (sequence 73)
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227 leuchtung in der Synagoge Heidereutergasse am Samstag, den 30. März und dann am 31. März in der Orgel-Synagoge unter anderem mit einem Musikstück des Kultur-Orchesters, sondern auch durch ein neckisches Spiel des Zufalls fast gleichzeitig einen anderen Geburtstag offiziell mitzufeiern, nämlich den 90-jährigen der Reformgemeinde in der Johannisstraße. Diese Reformgemeinde gehört zu jenen museumsartigen Petrefakten einer Zeit, die nicht nur wir ideologisch für überwunden erachten. Daß zwischen ihr und Maimonides keine Brücke besteht, bedarf wohl nicht erst einer Begründung, aber es ist nicht uninteressant, aus jener Zeit vor 90 Jahren das Urteil eines Zeitgenossen zu hören, der gewiß nicht im Verdacht der sogen, separatistischen Orthodoxie steht. Grätz, der Zeitgenosse jener Gründung war, schreibt über sie und ihren ersten Geistlichen Holdheim folgendes: ״.. So war denn ״eine deutsch-jüdische Kirche“ aufgebaut mit einem Tempel, Prediger uind Gottesdienst, nach einem eigenen Zuschnitt. Man glaubte sich siebzehn Jahrhunderte in eine syrische oder kleinasiatische Stadt oder nach Rom zurückversetzt, als sich aus dem Kampfe des alten Judentums mit halbchristlichen und halbheidnischen Elementen neue Gemeinden bildeten, welche zur Erinnerung ihres Ursprungs einen kleinen Bruchteil vom Judentum beibehalten hatten. Die neuen Formen herrschten indeß im Berliner Reformtempel vor. Das Beten mit entblößtem Haupte stempelte ihn besonders zu einem fremdartigen und stieß auch innerlich Gleichgesinnte ab. Das Hebräische wurde nur in wenigen Formeln und beim Vorlesen aus dem Pentateuche beibehalten. Der Reformtempel nahm überhaupt einen deutschtümelnden Charakter an und streifte den jüdisch-kosmopolitischen ab. Auch die letzte, kaum merkliche Spur des jüdischen Ursprungs ist nur im Gottesdienste sichtbar, im Leben sind die Gemeindeglieder durch nichts als Abkömmlinge des jüdischen Stammes wiederzuerkennen. Hold heim hatte vielleicht noch mehr als die freigesinntesten Mitglieder alles jüdische Wesen mit einem gewissen Fanatismus vertilgt wissen wollen. Nicht bloß über das rabbinische Judentum und über den Talmud, sondern auch über die Verpflichtungen, die aus der heiligen! Schrift stammen, setzte er sich hinweg. ... Aus Mangel an Betern mußte der Sabbat, der wie bei den Juden- Christen der ersten Jahrhunderte neben dem Sonntag gefeiert werden sollte, auf diesen allein beschränkt werden. Wie es mit dem Besuch des Sonnta!gsgottesdienstes steht, gebührt nicht mehr der Geschichte zu erzählen; es gehört der unmittelbaren Gegenwart an.“ Inzwischen ist die damalige Gegenwart Vergangenheit geworden, und die Berliner Jüdische Gemeinde müht sich damit ab, die Enkel jener Gründer bei ihrem Galvanisierungsprozeß wohlwollend zu fördern. Eine heilsame Lehre für die Bemühungen um einen sogen. ,JHeskemu der agudistischen Arbeiter in Erez Jisroel mit den sozialistischen Arbeitern ergibt sich aus der

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