Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 225 (sequence 71)
- Belongs to
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erschütterndes Bild von Seele und Dasein unserer Ahnen. Es ist Geschichte, das Leben von ,gestern als ein Spiegelbild des Lebens von heute Es ist auch Geschichte der bangen Furcht ebenso wie des unbeugsaimen Mutes, welcher dereinst das Ghettoleben ebenso fürchterlich wie lebenswert ,gestaltete. In liebevoller Kleinmaierei hält uns -das Buch das Leben der damaligen Juden in der Kleinstadt und in den großen Mittelpunkten, wie Frankfurt und Prag, entgegen, verschiedene Bühnen mit dem gleichen Spiel. Ueberall eine Welt grübelnder Denker, bald von heroischer Größe des Duldens und Höffens, bald trunken von dem Glauben an die Messianität ihres Zeitalters und ihrer Zeitgenossen. Den großen typisch geschichtlichen Charakter des Romans sehen wir am besten in der Frage der zentralen Gestalt, des Perez, ausgedrückt: Wo ist kein Prag? Ergänzt man diese Seufzer etwa noch durch die Wen!- düng, wann ist kein Prag?, so hat man eben das Wesen der Geschichte der Judenheit von Abimelechs Zeiten an. Auch das briugt das Buch in zart und doch kernhaft gezeichneten Strichen, wie sich die ״Prag“־um־־ fangen en Juden ihre Stellungnahme zum Judentum bilden. Folgt man diesen Spuren, so mag man ahnen, was der Verfasser meinte, als er dem Leser anheimgab, einem Ausrufe, der in dem Buch enthalten, Ohr und Herz zu leihen. In der Einleitungsdithyrambe spricht der Verfasser von denen, die sich verloren haben. Das Buch könnte den Rückkehrern Wegweiser sein. P. K. Hermann Gerson: Werkleute, ein Weg jüdischer Jugend. Herausgegeben von der Bundesleitung der ״Werkleute“, Kommissionsverlag Redenr, Berlin 1935. Als vor mehr als zwei Jahren in den Blättern dieser Zeitschrift eine Charakteristik der jüdischen Jugendbewegung versucht wurde, mußte die Darstellung auch Tendenzen berücksichtigen, die damals nur als zarte Ansätze erschienen, der Bumdesentwicklung jedoch neue Wege wiesen. Dem ״Kameraden “-Bund, insbesondere der im ״Kreis“ vereinten Gruppe deutsch-jüdisch er Jugend wurde die Prognose gestellt, daß sie in irgend־ einer Form Anschluß an die nationaljüdische Front finden werde. Nun liegt ein knapp 100 Seiten starkes Heft vor, das diesen Anschluß erläutert. Er erfolgte nicht aus Gründen der Zweckmäßigkeit, wie es bei manchem anderen Jugendbund der Fall war, sondern aus einer erneuten Ueberprüf ung der gesamtjüdischen Situation heraus und aus einer Besinnung über die Wesenselemente des Judentums. Viel Kluges und Schönes wird hier gesagt, und es berührt vor allem sympathisch, daß die neue Entwicklung mehr als Stadium der Reife und Konkretisierung des Aufgabenkreises, denn als Bruch mit der Vergangenheit empfunden wird. Zu den gestaltenden Elementen gehört immer noch Stefan George genau so wie Martin Buher, und diese Weite des Blicks ermöglicht eine aufgeschlossene und wache kritische Haltung gegenüber den Mächten, die anspruchsvoll, weil simpel und unkompliziert, sich dem Bund der Werkleute anbiedern. Man nimmt es ernst mit allen Problemen