Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 211 (sequence 57)
- Belongs to
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Ui text enthalten sein muß. Für die Beschreibung eines Hauses genügt die Angabe der Zahl seiner Stockwerke und Räume, die Anschauung aber nimmt jedes Stockwerk und jeden Raum einzeln wahr. Hieraus ergibt sich, daß für die der Praxis geweihte mündliche Lehre die Wortform nicht wesentlich und deshalb auch nicht sinaitischen Ursprungs ist, während es für die den Sinn der Thora beherbergenden fünf Bücher der Thora nur ein adäquates sprachliches Gewand geben konnte. Dieser Gedankengang gewinnt dem halachahfernen Pschat eine Existenzberechtigung. Der halachahferne Pschat enthält zwar nicht die Halachah, aber wiederum den Sinn der Halachah. Bei ״Auge um Auge“ ist zwar die Praxis nicht Vergeltung, sondern Gelderstattung; aber der Sinn dieser Zahlung ist in erster Linie Sühne und nicht Schadenersatz. Der Eigentümer eines Ochsen, der einen Menschen tötete, wird zwar, nicht hingerichtet, aber die Strafsumme ist als Sühnegeld zu werten. Bei der Deutung des Verbotes, Milch und Fleisch durch Kochen zu vermengen oder dann zu verzehren, orientiert Hirsch sich am Ausdruck ״Kochen“, obwohl die Halachah Kochen und Essen gleich beurteilt. Diese z. T. sehr bekannten Beispiele zeigen die Konsequenz aus einer klaren Gebietsabgrenzung zwischen den beiden Teilen der Thora, dem schriftlichen und mündlichen Teil. Die Einheit des aggadischen und halachischen Teiles des Pentateuchs hatten wir in kritischer Auseinandersetzung mit Hirsch’s Zweiteilung gesucht. Gemeinsam ist beiden Teilen zunächst, daß es nicht um die praktische Erfüllung, sondern um den Sinn des Judentums geht. Das Tiefste der Thora ist die Bindüng zwischen Haschern und seinem Volke. Das Werden dieser Bindung, die Art der Bindung und das Schicksal dieser Bindung sind die drei Hauptmotive des Tenach. Alles läßt sich hierunter gruppieren, vor allem auch das Gesetz, dem der Platz im Tenach durchaus angemessen ist. Hier ruht die tiefe Einheit der Thora. Der Pschat des Thoratextes ist ein legitimer Teil des Judentums; das hatten wir gesucht. Die Ausgangsfrage war aber die nach der Methode jüdischer Weltanschauung. Die Grundwerte der Thora, als höchstes Anliegen der Aggadah, sollen nach berechtigter, ernster Methode gewonnen werden können, wobei uns die Quellen nicht bloß das rückerstatten sollen, was wir in sie hinein gelegt haben. Mit gleiehern methodischem Ernst, wie Hirsch die Gründe der Mizwoth erarbeitet, wollen wir zu den umfassenden jüdischen Werten