Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 207 (sequence 53)
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207 dem Talmud ein Mißverstehen der Bibel vorwarf, das Angewiesensein den Exegese auf den Talmud hervorzuheben. III. Nichtsdestoweniger ist diese Auffassung weder selbst verstündlich noch allseitig anerkannt. Raschi,16) Ramban,17) Raschbam18) oder von Späteren der Gaon von Wilna19) u. a. bemühen sich oft, auch neben dem Drasch, zuweilen sogar gegen den Drasch, den natürlichen Sinn des Verses zu Worte kommen zu lassen. Hierbei entsteht allerdings die Schwierigkeit, welchen Sinn der halachahfremde Pschat noch haben kann. Andrerseits hat diese Methode neben dem Vorzug der Natürlichkeit noch bei ihrer Auswertung für die Haggadah durch den Moreh und Ramban einen andern Vorteil: Sie erhält die einheitliche Bedeutung des Tenach. Ebenso wie Hirsch gegen Rambam einwendet, daß bei der Basierung der Mizwohdeutung auf dem reinen Thoratext die Einheit, ״die Totalität“ der Mizwah gebrochen wird, da diese Einheit sich aus dem in beiden Thorateilen Gesagten zusammenfügt, ebenso könnte man gegen Hirsch einwenden, daß die Einheit der schriftlichen Lehre zerstört wird, wenn der halachische Teil eine ganz andre Aufgabe hat als der haggadische. Ferner ist es merkwürdig, daß der Sinn der Formulierung der Mizwoth äußerlicher ist als der der Formulierung des übrigen Teiles von Tenach. Es geht ja bloß um Grundnormen, die bloß aus praktischen Gründen der Nützlichkeit niedergeschrieben wurden, um an sie die Tradierung der Halachah anschließen zu können und den Komplex der Halachah nötigenfalls aus ihnen mit Hilfe der sinaitischen Deutungsweise zu ergänzen. Weiterhin ist der Stil der Formulierung der Mizwoth nicht der eines exakt formulierenden Gesetzbuches. Da diese lebendige, natürliche Art der Darstellung, die nicht bloß zum Willen, sondern auch zum Gefühl spricht, den ganzen Pentateuch hindurch vorherrscht, kann sie nicht eine unbeabsichtigte Folgeerscheinung der Konzentrierung des halachischen Stoffes in einem Minimum von Worten sein. Der Stil der Niederschrift der Mizwoth kann nur aus der allgemeinen Tendenz dieser Niederschrift erklärt werden und auch nicht als Nebenabsicht der Darstellung. Die Aufgabe der Synthese zwischen Ramban und Hirsch besteht also in Beantwortung der Frage: Wie kann der Pschat als Träger der Haupttendenz des 16) Schemath 23, 2. 17) dbrts. 21, 6. 18) 13, 9. «) 21, 6.