Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 205 (sequence 51)
- Belongs to
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205 völlige Unabhängigkeit der Halachah vom Zeitbedingten und Individuellen hat er in der Auseinandersetzung mit Grätz energischer vertreten als die Historiker (Halevy u. Jawitz). x4uch das System der Etymologie, das in bewußten Gegensatz zu allen Sprachvergleichungen getreten ist, verfolgt die Tendenz, die absolute Ewigkeitsgeltung der Thora dadurch zu erhärten, daß ihre Interpretation nur auf Grund der in ihr und in unserem Denken enthaltenen Mittel durchgeführt wird. Auch die Ablehnung des Paralellismus als Erklärung der scheinbaren Tautologien bei den Propheten beruht auf einer Ablehnung von allem — für die Auffassung des Judentums — was nicht von Ewigkeitsgehalt ist. Je stärker aber die Erklärung der Thora von allem außer ihr Liegenden absah, war sie auf Anwendung der Denkmittel, die so ewiggleich sind wie die Thora selbst, angewiesen. So kommt es, daß oft die gedankliche Betrachtungsweise der Begriffe und Werke des Tenach vor der natürlichen bevorzugt wird. Eine starke Kontrolle seiner Anschauung war Hirsch aber in seiner aufrichtigen Selbstkritik an der Halachah und am Tenach gegeben. (Vgl. die Aufsätze über Jeschajohu und die oben erwähnten Beispiele der metaphysischen Deutung von Erez Jisrael und mancher Mizwoth). Die Kritik, die die Grund- Position Hirschs während der Abfassung des Pentateuchkommentars von dem Thoratext selbst her erfährt, gehört zu d e n Elementen seines Baues, denen dieser seine noch heute aktuelle Bedeutung zu danken hat. In etwas ist ״Morijah“ doch verwirklicht worden, aber nicht systematisch. Immerhin scheint dessen methodische Grundlage der Gedanke zu sein, der sich in Hirschs Schrifttum häufig findet: Aus Tenach erfahren wir den Geist des Judentums, aus dem Talmud das jüdische Leben. Im Talmud sieht er ״nichts als in Halochoh Auseinanderlegung dieses Begriffes (des aus Tenach gewonnenen).u (18. Brief.) Somit gelangen wir hier zum Kernproblem der Methode der philosophischen Haggadah: Das gegenseitige Verhältnis von schriftlicher und mündlicher Lehre. Bei der Betrachtung von Hirschs Einstellung zu diesem Problem haben wir scharf zwischen den halachischen und haggadischen Teilen des Pentateuchs zu unterscheiden. Sie entsprechen bei Hirsch den beiden Teilen der philosophischen Haggadah: den Grundbegriffen der Thora und den Deutungen der Mizwoth, Die Grundbegriffe werden aus den haggadischen Teilen der Thora