Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 203 (sequence 49)
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Gemeinsam ist beiden Lehren der Ethik das Bestreben, den Sinn der ethischen Normen auf eine natürliche Ethik zurückzuführen. Denn eine unmittelbar metaphysische Deutung gibt Hirsch doch nur sehr wenig Mizwoth und auch, wo dies geschieht, werden nur Kategorien der natürlichen Ethik erweitert, keine nur jüdischen Kategorien erkannt. Es bleibt jedoch die erwähnte grundsätzliche Unterscheidung, nach der bei Hirsch alle Ethik in Gott mündet. Hirsch hat bereits in den Neunzehn Briefen in einer Anmerkung5) das Problem der Methode der philosophischen Aggadah behandelt. Hier vergleicht er die Mizwoth und Einzeldinim mit den Gegebenheiten der Naturwissenschaft, und die Deutung wird dort als Hypothese bezeichnet, die ihre Wahrheit an den Einzelheiten zu erweisen hat. An dieser Methode ist jedoch auffallend, daß sie bloß einen Teil der Haggadah berücksichtigt: die Deutung der Mizwoth. Hirsch hat aber eine Methode der tieferen Erfassung der Grundwerte nicht beschrieben und in dem Sinn der Art seiner Mizwothdeutung auch nicht befolgt. Eine systematische Behandlung, wie er sie den Mizwoth, der Halachah, gewidmet hat, findet sich für die andre Problematik der Haggadah nicht. Dieses Fehlen bringt naturgemäß zwei Nachteile mit sich. Einmal besteht die Gefahr einer subjektiven Begründung der Grundwerte. Andrerseits haben ja diese Werte auch Bedeutung für die Auffassung der Mizwoth; denn die Mizwoth stehen ja im Sinnganzen der Einheit Thora, deren beherrschende Momente ja die Grundwerte sind. Die Gefahr des Subjektivismus besteht deshalb, weil ein jeder ein Kind seiner Zeit ist; auch Hirsch. Hirsch war gewiß in der Lage und bereit, sich nötigenfalls auch seiner Zeit entgegenzustellen. Dies beweist schon die nationale Auffassung der Thora durch Hirsch,6) die eigentlich die Angriffe auf Hirschs angeblichen Individualismus nicht mehr verständlich erscheinen läßt. In der Deutung der Erwählung Jisraels hat sich Hirsch seiner Zeit jedoch nicht grundsätzlich entgegengestellt. Für Hirsch erschöpft sich der Sinn der Erwählung in dem Gedanken des Mustervolks, dem wesentlich ein zeitlicher Vorsprung eignet.7) Hierdurch wird der Eigenwert des jüdischen Volkstums verdunkelt, gerade der Grundwert, der bei Jehuda Halevy eine so 5) 18. Brief, 3. Anm. 6) S. z. B. Ein!l. zu Dewarhn. 7) 7. Brief.