Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 202 (sequence 48)
- Belongs to
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mit bestimmter philosophischer Grundposition an die Thora heran. Das Neue besteht aber darin, daß er die die Halachah betreffenden Teile der Haggadah mit einzigartiger Gründlichkeit an der gegebenen Halachah kontrolliert. Diese Akribie tritt indes bei der Erfassung der Jesode Hathorah nicht in gleichem Maße in Erscheinung. Auch Hirsch geht von bestimmter philosophischer Grundposition aus, die er allerdings nicht zu einem vollen System ausbaut; sie tritt bei ihm nur als Tendenz hervor. Diese Tendenz besteht darin, die jüdische Ethik als universale Ethik zu erkennen. Die Ideen und Werte dieser Ethik sind universalmenschlich. Kirschs Ethik unterscheidet sich von einer rationalistischen Ethik vor allem in doppelter Hinsicht. Für den Rationalisten ist der Mitmensch oder höchstens die Menschheit der höchste Wert des menschlichen Tuns. Ethisch zu bejahen ist die Handlung, die das Wohl des Menschen oder der Menschheit fördert; eine Handlung, die die Menschen schädigt, ist zu verurteilen. Wird selbst der Gottesbegriff eingeführt, so wird er der sozialen Ethik untergeordnet. Bei Hirsch tritt es jedoch allerorts hervor,1) daß auch die Würde und der Anspruch des Mitmenschen nur abgeleitet sind vom Gottesbegriff. Es ist deshalb wertvoll, dem Mitmenschen zu helfen, weil er ein Abglanz seines Schöpfers ist. Dies ist der Grundgedanke von Hirschs Sozialethik. Um dieses Grundgedankens willen steht Hirsch mitten in der jüdischen Geistesgeschichte — ist er kein Rationalist. Ein anderer typisch jüdischer Zug von Hirschs Ethik ist eine Fortführung eines Gedankens des Kusari. Die Rückführung der ethischen Werte auf Haschern führt nicht bloß zu andrer Deutung der allgemein erkannten Werte; sie läßt auch neue Werte erkennen: den in der Thora offenbarten Schöpfungszusammenhang. Die Kilaji^n-Gesetze wollen eine wirkliche Störung der ״artgemäßen“ Schöpfung verhindern,2) die Speisegesetze eine Erweckung des Trieblebens verhindern,3) das Land steht zu der Sittlichkeit seiner Bewohner in ganz bestimmtem Verhältnis.4) Solche Normen kann eine Ethik der menschlichen Vernunft nicht enthalten. Nach Hirsch reicht also die Ethik der Thora weiter als die der Menschen, und die Ethik der Thora ist ,grundsätzlich anders orientiert als eine rationale Ethik. D 4. Brief, 2) ßer. I, 13, 3) Wajikra 11, 44. 4) Waj. 18, 28.