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Nahalat tsevi · 1935-03-01 · Heft 7-8 (März 1935) · p. Seite 186

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 7-8 (März 1935)
Date
1935-03-01
Page
Seite 186 (sequence 32)
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186 den Willen des Ehepartners durchgeführt werden kann, was auch rezipierte Halacha ist. Doch ist dies in allen Fällen nicht ein gesetzliches Verbot. Im ersten Falle handelt es sich um einen Rat, der dem Heiratswilligen gegeben wird, im zweiten Falle um eine gesetzliche Regelung, die auf Antrag eines Ehepartners ausgeführt wird, aber nur auf Antrag, nicht von der Behörde aus. Es wird somit die Verhütung kranken Nachwuchses dem Interesse des Einzelnen wohl nahegelegt, aber nicht zur Sache des Gesetzgebers, also der Gesamtheit gemacht. Das jüdische Gesetz wäre demnach in diesem Punkte individualistisch. Zu erklären ist das m. E. aus der Weltanschauung heraus, die in diese Fragen nicht nur naturwissenschaftliche, sondern auch sittliche Momente hineinträgt. Da wäre zu nennen das Moment des Gottvertrauens auch auf diesem Gebiete, daß man hofft, die ״weißen Kugeln zu ziehen“, um beim obigen Bild zu bleiben, Zum Ausdruck kommt das z. B. im Talmud יבמות מ״ב, ע״א: אי למ״ד מן השמים ירחמו, מן השמים ירחמו (בעילת מעוברת) und יבמות י״ב, ע״א; ק״י ע״א וכתובות ל״ט ע״א: וחכ״א אחת זו ואחת זו משמשת כדרכה ..... שומר פתאים ה, wo eben damit gerechnet wird, daß Menschen, sei es aus Unwissenheit ( פתאים ) sei es aus Gottvertrauen (מן השמים ירחמו) auch diese vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus mit ungünstigen Aussichten behafteten Vorgänge ausführen werden. Dieses Moment der Ein- Schaltung der göttlichen Vorsehung gegen menschliche Berechnung ist jüdischer Weltanschauung nach so wesentlich, daß eine Regelung, wie sie vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus unbedingt geboten scheint, unterbleibt. Hinzukommt, daß offenbar bei allen eugenischen Betrachtungen das sittlich-ethische Moment als gleichberechtigter Faktor neben das naturwissenschaftliche gestellt wurde. Man denke an die Talmudstelle in נדרים כ׳ ע״א, wo körperliche Defekte und Mißbildung auf sittlich verwerfliches Verhalten bei der Begattung zurückgeführt werden: א״ר יוחנן בן דהבאי: סחו לי מלאכי השרת: חיגרין מפני מח חורין, מפני שהופכין את שולחנן, אילמים מפני מה הווין, מפני שמנשקים באותו מקום; חרשין מפני מה הווין, מפני שמספרים בשעת תשמיש; סומין מפני מה הודן, מפני שמסתכלים באותו מקום. Ebenso Krankheiten als Folge unpassenden und unanständigen Verhaltens dabei: פסחים קי״ב ע״בז המשמש מטתו לאור הנר הודן ליה בנים נכפין. Der Niederschlag dieser Dinge findet sich im אבן העזר כ״ה ואורח חיים ר״מ :ש״ע.

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