Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 178 (sequence 24)
- Belongs to
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178 liehe Lösung der Problematik. Die Verknüpfung von Assimilation und Emanzipation ist gewiß ein mächtiger Faktor der Ent- Wicklung, er setzt aber, wie es im letzten Kapitel zu zeigen sein wird, erst zu einem späteren Zeitpunkt ein, er intensiviert und beschleunigt die Assimilation, bringt sie aber nicht eigentlich hervor. Die angebliche Verwandtschaft des Judentums mit Aufklärung oder Deutschtum ist mehr eine Sache des Glaubens als eine wissenschaftliche Theorie, die die einzelnen Vorgänge der Geschichte erklären könnte. Wie wenig sich mit einer solchen Theorie anfangen läßt, zeigt der Deutungsversuch Hermann Cohens. Er, der größte Verkünder der deutsch-jüdischen Geistes- Verwandtschaft, beantwortet die Frage, warum diese Begegnung zwischen Deutschtum und Judentum trotz der territorialen Eingliederung der Juden solange auf sich hat warten lassen: Weil da erst ״die geschichtlichen Motive der Reformation in der Wissenschaft des deutschen Humanismus und in der Philo- Sophie zur Reife kamen“15). Wenn nun wirklich die innere Verwandtschaft zwischen Judentum und Deutschtum ihre Ver- Schmelzung bewirkt hätte, so müßte zur selben Zeit auch eine Reifezeit oder doch eine lebendige Bewußtwerdung des Judentums angenommen werden. Doch schon zwei Seiten später weist Hermann Cohen nach, daß Mendelssohn — wohl der geistige Repräsentant des Judentums jener Zeit? — den Geist des Judentums vollkommen mißverstanden hat. Man muß also annehmen, daß das Hermann Cohen’sehe Judentum kraft seiner inneren Verwandtschaft mit dem Deutschtum — das selbstverständlich auch auf Grund der eigenen philosophischen Anschauung definiert wird — sich vereinigt hatte, ohne daß dieses Judentum damals von seinen repräsentativen Vertretern erkannt worden wäre. In der Wirklichkeit erfuhr das Judentum seitens derjenigen, die durch eine Assimilation hindurchgegangen sind, eine ihrer Situation entsprechende Umdeutung. Daher hat Hermann Cohen in seinen Einwänden gegen Mendelssohn recht, was noch später im einzelnen gezeigt werden soll. Nur darf dann die gesellschaftliehe Vereinigung zwischen Deutschen und Juden nicht auf die Verwandtschaft des Deutschtums mit dem damals ״verkannten“ Judentum zurückgeführt werden, sondern es liegt nahe, den umgekehrten Weg zu gehen; nämlich aus der gesellschaftlichen Ver- *5) Hermann Cohen a. a. O. S. 21,