Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 22)
- Belongs to
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in & p. ן! :1 tritt in die europäische Kuiturwelt vorbereitet. Grätz, der trotz seinem viel und mit Recht gerügten Einseitigkeit einen scharfen Blick für die Realität der historischen Situation zeigt, sieht wohl, daß zu dieser ״Erneuerung“ geschichtliche Voraussetzungen der Außenwelt notwendig waren. Doch sind diese für ihn höchstens Faktoren, die die Möglichkeit der Wandlung sichern, aber sie keineswegs bewirken oder auch nur in ihren Formen bestimmen. Die wirkende Kraft der Wandlung wie überhaupt jede positiv wirkende Kraft der jüdischen Geschichte ist für Grätz das Realisierungsstreben des jüdischen Geistes. Die Mendelssahn’sche Zeit stellt daher eine geistige Aktivierung des Judentums dar, gegenüber einer vorangegangenen Stagnation. Mendelssahn selber ist die Persönlichkeit, in der die geistigen Potenzen der Zeit sich sammeln. Diese Deutung der Mendelsohn’schen Epoche beruht auf der geschichtsphilosophischen Auffassung von Grätz, die, wie Max Wiener bemerkte,8) unter dem Einfluß des deutschen Idealismus in der jüdischen Geschichte die Entfaltung des jüdischen Geistes erblickt. Aber selbst wenn man die geschichtsphilosophischen Grundlagen dieser Konzeption gelten lassen wollte, muß ihre Anwendung auf die Mendelssohn’sche Epoche als überwunden angesehen werden. Denn die Annahme einer geistigen Stagnation in der vorassimilatorischen Zeit ist nicht zu halten. Sie entsprang einerseits der negativen Beurteilung der talmudischen Literatur, die gerade zu jener Zeit hervorragende Vertreter hatte,0) andererseits der Vorstellung, daß das Judentum jener Zeit jeder weitliehen Bildung feindlich gegenüb erstand. Es soll später gezeigt werden, daß die abschätzige Beurteilung jeder talmudischen Geistigkeit eines der typischen Symptome der Assimilation ist, das gleich mit dem Beginn der Angleichung an die Umwelt in Erscheinung tritt und auch noch bei Grätz, wie auch während der ganzen liberalen Epoche, fortwirkt. Ebenfalls muß auf Grund neuerer später zu besprechenden Forschungen die These von der grundsätzlichen Bildungsfeindlichkeit der vorassimilatorischen Zeit als widerlegt angesehen werden. Die transpersonalen Momente, welche die Wirksamkeit Mendelssohns bedingen, müssen von anderer Artung gewesen sein. Ein zweiter Versuch, das Einsetzen der Assimilation zu er- 8) A. a. O. S. 221. 9) V!gl. Grätz a. a. O. B. 10, S. 348, Karpeles a. a. O. B. II, S. 321 ff. KV