Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 174 (sequence 20)
- Belongs to
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174 dieser Gedankengänge und Lebensformen eine Tendenz zur Zurechnung zu außer jüdischen Gesellschaftsgruppen verbunden wäre, kann man nicht von Assimilation reden. Dann bleibt es eine Frage der inneren Lebensgestaltung des Judentums, ob die von außen kommenden Anregungen sich mit dem Ueberkommenen vertragen. Die bloße Beeinflussung wird zur Assimilation, wenn die Uebernahme der außer jüdischen Lebens־ oder Denkformen die Zugehörigkeit zu den Gruppen dokumentiert, von denen die Lebens- und Denkformen übernommen werden. Daher mag der Inhalt dieser Formen vom Standpunkt des Religionsgesetzes oder einer jüdischen Dogmatik vollkommen irrelevant sein, seine Bedeutung für die Assimilation erwächst nicht aus seinem Inhalt, sondern aus seiner gesellschaftbildenden Funktion. Die Assimilation durch die Uebernahme von außer jüdischen Lebens- und Denkformen setzt zweierlei voraus: 1. Die Gruppe der ursprünglichen Träger dieser Formen muß eine ״offene“ Gruppe sein, d. h. sie muß die Zurechnung von außenstehenden zur Gruppe unter gewissen Bedingungen gestatten. Die Zurechnung muß zwar nicht durch irgendeine ausdrückliche Zustimmung gesichert sein. Es kann sich jemand zu einer Gruppe zählen, auch ohne ein Zeichen der Zustimmung von Seiten der Gruppe erfahren zu haben. Doch es darf als eine Regel angesehen werden, daß Menschen, deren Zurechnung zu einer Gruppe ausdrücklich abgelehnt wird, dieser Gruppe nicht zustreben. 2. Die übernommenen Denk- oder Lebensformen müssen bei der Gruppe, an welche die Assimilation durch sie bewirkt wird, eine gesellschaftsbildende Funktion versehen. Mit anderen Worten, sie müssen für die ursprüngliche Gruppe charakteristisch sein. Ihre Uebernahme wirkt nur dann assimilierend, wenn sie für die Mitglieder der ursprünglichen Gruppe bezeichnend sind und so den sich Angleichenden zu der Gruppe gehörig erscheinen lassen. Die Stärke der assimilatorischen Wirkung der übernommenen Denk- oder Lebensformen wird von der Größe ihrer gesellschaftsbildenden Bedeutung in der Ursprungsgruppe bestimmt. Es soll die Aufgabe dieser Arbeit sein, nachzuweisen, daß die Assimilation der Juden in der neuesten Geschichte durch das Zusammentreffen dieser Bedingungen bewirkt wurde. Der Unterschied gegenüber der vorassimilatorischen Zeit soll darin gesucht