Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 172 (sequence 18)
- Belongs to
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172 weis wurde auch des öfteren erbracht.1) Woher also die Berechtigung zu bestimmten Epochen vom bloßen Einfluß, in anderen dagegen von Assimilation zu reden? Anders gefragt: Welches sind die Merkmale der Assimilation, die sie von dem in allen Epochen vorhandenen Einfluß der Außenwelt auf die Juden unterscheidet? Diese Frage kann grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten beantwortet werden. Entweder man geht von den Inhalten des Judentums aus, die durch Beeinflussung oder Assimilation verändert oder verdrängt werden oder von der Funktion, die die Veränderung oder das Verdrängen der jüdischen Inhalte bezweckt. Der Versuch, die Frage von dem Inhalt der Beeinflussung her zu beantworten, stößt u. E. auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Man müßte dann von einer Definition des vorassimilatorischen Judentums als eine ״Glaubens- oder Lebensgemeinschaft“ ausgehen und das bloße Beeinflußtsein von der Assimilation danach unterscheiden, ob die durch Assimilation, bzw. Beeinflussung hervorgebrachte Veränderung mehr oder minder wesentliche Inhalte dieses Judentums betraf. Die Definition des Judentums als Glaubensgemeinschaft ist für eine Wissenschaftliehe Untersuchung schon deshalb unbrauchbar, weil über den Inhalt des Glaubens, der die Gemeinschaft bestimmen sollte, weder in der jüdischen Theologie2), noch in der sogenannten Wissenschaft des Judentums3) jemals Einigkeit geherrscht hat. Eine Unterscheidung zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem im jüdischen Glauben, oder wenn man den Begriff weiter faßt, in der jüdischen Glaubens-, Gefühls- oder Gedankenwelt entzieht sich daher der wissenschaftlichen Faßbarkeit. Wollte man die Definition des vorassimilatorischen Judentums als Lebensgemeinschaft akzeptieren und bei der Begriffsbestimmung der Assimilation davon ausgehen, daß die Juden der vorassimilatorischen Zeit ihr Leben einheitlich nach den Bestimmungen des geltenden Religionsgesetzes gestaltet hatten 4), so würde man zwar für die Umschreibung des vor assimilatorischen Judentums ein wichtiges, wenn nicht das wichtigste Merkmal bestimmt ha- *) Vergl. Max Wiener: ״Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation“, 1933, S. 5 ff. 2) Vergl. Max Wiener: a. a. O. S. 35. 3) Jakob Klatzkin: ״Krisis und Entscheidung“. 1922, S. 18. 4) Klatzkin a. a. O. S. 43 ff.