Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 170 (sequence 16)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2551369-2551405-2551409--1844-2553362- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
170 Großen in das Erziehungsprogramm der weiblichen Jugend auf־ genommen; aber in seiner ganzen Breite und Tiefe hat erst Sarah Schenirer den Weg geebnet. Es ist bekannt, daß sie als Flüchtling während des Krieges in Wien weilte, wo sie allabendlich den Vorträgen eines begeisterteil Hirsch-Schülers lauschte, des Herrn Rabbiner Flesch נ׳ י, der ein Talmid von Rabbi Salomon Breuer זצ״ל und begeisterter Verkünder Hirseh’scher Lehren war. Wie oft hat Sarah Sehenirer es geschildert und in ihren Memoiren niedergelegt, daß die Gedanken S. R. Hirsch’s damals wie eine Offenbarung auf sie gewirkt haben, daß sie nur von dem einzigen Wunsch beseelt war, die Kraft dieser Lehren der geistig verarmten Jugend ihres Landes zu vermitteln. Mit welcher Hingabe und welchem Opfermut sie ans Werk ging, soll hier nicht noch einmal gesagt werden. Die vielen Hunderte von Schulen und Zehntausende von Schülerinnen zeugen dafür. Aber ausgesprochen soll werden, daß kein anderer Geist den Selbstbildungsweg dieser Frau so sehr begleitet und beeinflußt hat wie Samson Raphael Hirsch. Hundertmal wurden Aufsätze aus seinen Gesammelten Schriften exzerpiert, abgeschrieben und auf armseligen Hektographenplatten vervielfältigt. So zerlesen und zerarbeitet wie das Hirsch’sche Chumesch, der Psalmen-Kommentar, die Gebete, die Gesammelten Schriften war kein Autor in der Beth Jakob-Bibliothek. Bis in ihre letzten Lebensmonate hat Sarah Schenirer ihr Lieblingsbuch, das ihr den Eingang in die Hirsch’sche Ideenwelt vermittelt hatte, die 19 Briefe, immer selbst vorgetragen und zusammen mit ihren Schülerinnen verarbeitet. Und jeder weiß, daß bei diesem Unterricht sich diejenige Leucht- und Schwungkraft auf ihre Hörerinnen übertrug, die sie selbst als Lernende wie eine Offenbarung empfunden hatte. Nur beim 18. Brief, bei jener herben Kritik, mit der der Große den Rambam bedacht, konnte ihre naivchassidische Seele nicht folgen, und mit der Schlichtheit, die sie auszeichnete, bekannte sie vor ihren Schülern, daß sie die Lektüre dieses Briefes anderen überlassen müsse, die tiefer in die jüdische Geisteswelt einzudringen vermögen, als es ihr, der Frau, möglich sei. Es ist nicht beabsichtigt, schon jetzt abschließend das Kapitel zu schreiben, das die Bedeutung S. R. Hirsch’s für Beth Jakob umschreibt. Nur der eine Gedanke drängt sich in dem Augenblick, da wir Sara Schenirer’s Heimgang beklagen, auf die Seele; daß die Ewigkeitsbedeutung dieses Regenerators des deutschen mm