Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 7-8 (März 1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Belongs to
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159 Nochmals Kenefeeth Jikrael. Von Dr. Isaac Breuer. I. Die geistige Zerstreuung des jüdischen Volkes ist heute größer und verhängnisvoller als seine räumliche Zerstreuung. Die moderne Technik hat die Menschen räumlich im Vergleich zu früheren Zeiten einander unendlich näher gebracht. Ehedem ein Entschluß auf Leben und Tod, ist eine Reise nach dem Heiligen Lande für uns längst eine Alltäglichkeit geworden. Umso schmerzlicher aber machen sich die tiefen Gegensätze bemerkbar, die in der Gegenwart mehr als je die jüdischen Köpfe und die jüdischen Herzen trennen. Es nützt nicht, diese Gegensätze in ruhiger und sachlicher Art, unter Vermeidung alles Persönlichen, zu erörtern- Gerade eine solche Erörterung führt schließlich zu dem zwangsläufigen Ergebnis, daß die Gegensätze, auf ihre objektiven Grundlagen zurückgeführt, unüberbrückbar sind. Künstliche Veranstaltungen von Menschen können ihrer nicht Herr werden. Nur die geschichtliche Entwicklung, die sie hat entstehen lassen, könnte sie wieder, allmählich, zum Schwinden bringen. Oder es müßte Elijahu kommen, die Herzen der Generationen zu versöhnen. Wir können im Heiligen Lande nicht untätig auf Elijahu warten. Die geistige Zerstreuung, wie sie dort jetzt herrscht, gefährdet die ganze Zukunft des Nationalheims. Alle Merkmale wirtschaftlicher Erstarkung können hierüber nicht hinwegtäusehen. Noch ist ein einheitlicher nationaler Wille im Lande nicht vorhanden. In eingehender Darlegung habe ich bereits gezeigt, daß die jüdische Gesamtorganisation des Landes, Kenesseth Jisrael, in ihrer heutigen Verfassung an inneren Widersprüchen krankt und daher weder leben noch sterben, ganz gewiß aber nicht einen einheitlichen nationalen Willen in geschichtlicher Entwicklung erzeugen kann. Ihre Schwäche etwa darauf zurückzuführen, daß man bis jetzt, von anderen Aufgaben konsumiert, gewissermaßen noch nicht dazu gekommen sei, sie richtig in Gang zu bringen, bedeutete nicht nur Blindheit gegenüber ihren verhängnisvollen Konstruktionsfehlern, sondern auch die Unter- Stellung einer geradezu seltsam anmutenden Verständnislosigkeit für die unabweisbare Dringlichkeit einer wirklich lebensfähigen, die Kräfte zusammenfassenden und auf Bildung eines nationalen Willens hindrängenden Gesamtorganisation in einem Lande, dessen jüdische Bevölkerung einem steten Wechsel unter-