Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 75)
- Belongs to
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141 zu dem Begriff der Offenbarung an Hand folgender Stellen: Drei aber sind Offenbarungsleugner: ״Ob einer die ganze Offenbarung, oder nur einen Vers oder ein Wort der Thora* leugnet und behauptet, das hat Mosche aus sich selbst | gesagt, oder er leugnet die Wahr י heit der Tradition und ihre Ueberlieferung, oder behauptet, daß irgend ein Gesetz oder die ganze Thora abzuschaffen oder veraltet sei; in jedem Falle ist er ein Offenbarungsleugner und hat keinen Anteil an Olam Haba:“ (Hilchoth T'schuwa Kap. 3). Es ist kein Unterschied zwischen dem Satz: ״Und die Söhne Chams waren Knechte in Mizrajim“ und dem Satz: ״Schmach Jisroel, denn alles ist aus Gottes Mund, alles ist die vollkommene, reine, heilige Wahrheit, Gottes-Lehre. Und wer auch nur von solchen Versen! sagt, Mosche habe sie aus seinem Sinn erzählt, der ist nach den Grundsätzen unserer Weisen und Propheten ein Gottes- Leugner und Lehrverächter, mehr als alle andern Leugner, weil er die Ansicht hegt, es sei in der Thora wesentliches und unwesentliches, Inhalt und Schale zu unterscheiden.“ (Erklärung des Maimonides zu Sanhedrin 10. Kap. die 13 Glaubensgrundsätze, Grundsatz 8). Bücherschau. ״Wir deutschen Juden“, von Hans Joachim Schoeps. Vortrupp-Verlag, Berlin 1934. Dieses 50 Seiten starke Heft soll eine Schriftenreihe eröffnen, die sich ״Deutsch-jüdischer Weg“ betitelt. Und so gibt schon diese Bezeichnung Aufschluß über die Tendenz: Es ist eine Schrift, vornehmlich gegen Joachim Prinz und sein Buch ״Wir Juden“ gerichtet. Und was ist der positive Gehalt? Auch auf diese Frage erhält man auf der ersten Seite Antwort durch das Geleitwort des Vortrupp-Verlags: Die Schriftenreihe dient der ״deutsch-jüdischen Existenz heute“. Solch ein Wort ist bekannt, es ist entnommen der Schriftenreihe von Karl Barth: ״Theologische Existenz heute“. Der Zusammenhang ist nicht zufällig, und nicht deshalb hat Schoeps diesen Titel gewählt, weil er schlagwortartig in ein Gegenwartsproblem einführt. Wir glauben vielmehr, daß die protestantische Theologie, soweit sie von Karl Barth geführt wird, die Vokabeln und Begriffe hat liefern müssen für die Deduktionen und Konstruktionen, die doch wohl das Wesentliche der Schrift — ״wesentlich“ im Sinne von Schoeps — sein sollen. Kronzeuge für diese Partien ist ihm S. L. Steinheim, jener Religions- Philosoph der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, der vor lauter Sich-Versenken in die nichtjüdischen religionsphilosophiischen Systeme allerhöchstens im ״Dunstkreise der Ideen des Judentums“ lebte und die praktische Bewährung dieser Ideen für derart nebensächlich hielt, daß er, der keiner jüdischen Gemeinde angehörte, auf einem christlichen Friedhof bestattet wurde. Es ist ein reichlich abstraktes Judentum, das Schoeps da fordert, ein Judentum, in dem ״andere Seinsqualitäten als die biologischen von Blut und Rasse wieder Geltung gewinnen, wie wir sie amdeutend mit den Worten Haltung, Gesinnung, Leistung, Bewährung hier nur umschreiben möchten“. (S. 37). Und fragt man nach anderen konkreten Aeußerungen