Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 73)
- Belongs to
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Wir haben diesen Ausführungen nichts hinzuzufügen, wohl aber dürfte es von Interesse sein, daß in Nr. 17 des von Dr. Nathan Birnbaum herausgegebenen ״Rufes“ ein beachtenswerter Artikel von Chajim ben Meir unter dem Titel 55Im Widerstreit der Pflichten“ veröffentlicht wird. Der Autor wirft den religiösen Führern des Heiligen Landes vor, daß sie keinen Ausgleich zwisehen Halacha und der Hauptforderung des neuen Jischuw: ״Nur jüdische Arbeit, ohne Hilfe des Schabbosgoi“ geschaffen hätten, und meint, daß hier ein unlöslicher Widerspruch vorliege. Im ganzen Tenor des Aufsatzes, der wohl weniger die Ansicht des Verfassers als die vieler traditionstreuer Palästinenser wiedergibt, wird die Devise ״Awoda iwrit, ohne irgend welche Ausnähme“ als sittliche Forderung gleichrangig, vielleicht sogar subjektiv höher stehend als die Halacha betrachtet. Hiergegen muß sich die Orthodoxie mit größtem Ernst wenden. Das Prinzip der Awoda iwrit wird sie ohne weiteres anerkennen. Ein Aufbau und gesicherter Ausbau desLandes ist nur durch jüdische Arbeit auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens möglich. Auch als sittliche Forderung der unbedingten Uebernahme aller Glieder der Produktionskette zur Erlangung der inneren Fähigkeit zur Selbständigkeit des schaffenden Lebens wird man jüdische Arbeit fordern. Damit hat die Forderung aber nicht Gleichberechtigung mit der Halacha erreicht. Halacha ist nicht einfach Tradition; sie ist Ausdruck der Gottesgesetze in allen Phasen des Lebens, im persönlichen, öffentlichen und wirtschaftlichen. Das Gottesgesetz ist das Absolute, im heiligen Lande noch mehr als in der Diaspora. Haben in der Gola die Forderungen des Wirtschaftslebens sich dem Religionsgesetz anzupassen, — es sei nur an die Sabbathheiligung erinnert — so gilt das in erhöhtem Maße für Erez Jisroel. Von einem Zurücktreten der Ilalacha vor den Bedingungen des wirtschaftlichen Lebens darf keine Rede sein, auch nicht vor der Forderung der Awoda iwrit. Sollte es wirklich nicht möglich sein, ohne Zuhilfenahme eines Nichtjuden Milchwirtschaft zu treiben, so müßte män sich hiermit abfinden. Aufgabe, sehr ernste Aufgabe der rabbinischen Autoritäten ist es, zu prüfen, ob nicht auch auf diesem Gebiet das Prinzip der ״Awoda iwrit“ ohne Entweihung des Sabbath durchzuführen ist. Daß ein Weg sich findet, ist zu hoffen. Solange er nicht gefunden ist, muß man entweder auf selbständige Milch- Wirtschaft oder auf Anwendung der ״Awoda iwrit“ am Sabbath verzichten. So wenig wie der jü-