Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1935-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1935) · p. Seite 133

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 4-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 133 (sequence 67)
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2551369-2551405-2551408--1802-2553319
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

135 rischen Mißbrauch,1 2 eine offene Leugnung Gottes als der Welt Schöpfer, Richter oder Lenker: Sabbatentweihung, Entweihung des Versöhnungstages, sowie Zauberei und Wahrsagerei, Zeichen- und Zeitendeutung und Molochdienst. bb) Mittelbare Leugnung Gottes als Schöpfer der Welt. Das gewaltigste Wahrzeichen jüdischer Weltanschauung und Lebensauffassung ist der Sabbat: Die Sabbatheiligung ist die rückhaltlose Unterstellung des jüdischen Menschen mit seinem ganzen Wirken und Streben, mit allem was er ist und hat, unter Gott. Weil Er es geboten,8 stellt der toratreue Jude allsabbatlich seine schöpferische Handarbeit und die auf diese gerichtete Geistestätigkeit ein. Allwöchentlich gibt er gleichsam Gott die ihm anvertraute und während der sechs Wochentage im Rahmen der göttlichen Weltordnung zur freien Verfügung gestellte Welt zurück, um sie nach Sabbatende aufs neue zu entleihen.3 Der so in dem Sinne und nach den Vorschriften der Tora geheiligte Sabbat, an dem es keine Werkverrichtung und keiu Erwerbsleben gibt, wegen seiner totalen Hingabe an Gott ״die Blüte der Woche“ genannt,4 bedeutet die unbedingte Anerkennung Gottes als alleinigen Eigentümer, weil Schöpfer der Welt. ״Zwischen Mir und zwischen den Kindern Israel ist er ein Zeichen für ewig, daß in sechs Tagen Gott den Himmel und die Erde geschaffen und mit dem siebenten Tage zu schaffen aufgehört hatte 5 und ruhte6.״ Die Heiligung des aus dem irdischen Alltag in den himmlischen Versöhnungstag führenden Jakobsleiter. Nur wer diese wunderbare, von allen menschlichen Schlacken sanft befreiende Metamorphose selbst erlebt hat, weiß, was Kol-nidre ist, und was es nicht ist. 1 Doch ist zu beachten, daß diese Religionsverbrechen wegen der Gefahr des bösen Beispiels nicht minder verderblich sind, und daß auch eine nur teilweise Leugnung Gottes in Wahrheit doch eine vollkommene Leugnung Gottes, so wie Er sich offenbart hat, bedeutet. Der hier gemachte Unterschied will also hinsichtlich der Tat nur ein beschreibender und nicht ein bewertender sein. Eine Bewertung enthält er nur in Bezug auf den übrigen persönlichen Charakter des Täters. 2 vgl. Exod. 20,8 ff.; 31,13 ff.; 34,21; 35,2 ff; Lev. 19,30; 23,3; Deut. 5,12 ff. 3 vgl. Hirsch, Pentat. zu Exod. 16,23; 31,13; ders. Choreb S. 58; Biberfeld S. 24; Hertz, Pentat. zu Exod. 20,11; Weigl S. 175. 4 Jehuda ha־Levy III, 5; vgl. auch Sforno zu Exod. 31, 15; Hertz, Pentat. zu Exod. 20, 8. 11. 5 vgl. Ber. rab. 10,9; 11,10; Raschi zu Meg. 9 a sub wajechal bajom

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.