Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 62)
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126 aa) Mittelbare Leugnung Gottes schlechthin, aaa) Lügenhafte Prophetie. Der lügenhafte Prophet1 ist auch in systematischer Hinsicht von dem im Namen eines Götzen auftretenden2 und dem zum Götzendienst verleitenden Propheten3 zu unterscheiden. Die beiden letzten sind Götzendiener, die sich nur infolge ihrer innegehabten, bezw. angemaßten Stellung eines in besonderer Weise verübten Götzendienstes schuldig machen. Der zum Götzendienst verführende Prophet begeht dem Wesen nach kein anderes Verbrechen als ein Laie, der zum Abfall von Gott zu verleiten sucht, Ebenso bedeutet auch die Prophetie im Namen eines Götzen lediglich dessen Anerkennung und Verehrung als Gott,4 die das Wesen des Götzen־ dienstes schlechthin sind. In beiden Fällen werden also Verbrechen begangen, die an sich schon als Religionsverbrechen verpönt sind. Sie sind lediglich dadurch eigener Art, daß sie von dem Täter in seiner tatsächlichen oder nur vorgegebenen Eigenschaft als Führer begangen werden.5 Anders bei der lügenhaften Prophetie. Der von Gott nicht beauftragte Prophet kann ja gerade die ausschließliche Verherrlichung Gottes und die peinliche Erfüllung Seiner Gebote fordern, sowie den Götzendienst und jede frevelnde Abweichung von Gottes heiligem Willen verwerfen wollen. Dennoch macht er sich eines todeswürdigen Religionsverbrechens schuldig: der lügenhaften Prophetie. Ihre Strafbarkeit ist darin begründet, daß Gott von dem lügnerischen Propheten durch schlüssige Erklärung dem Nichts gleichgesetzt und damit geleugnet wird: Von niemandem beauftragt, macht er dennoch seine Verkündungen im Namen Gottes, um sich auf diese Weise Gehör zu verschaffen und die Befolgung seiner Lehre durch das Volk zu sichern. Er mißbraucht das Ansehen und die Anerkennung, die Gott bei den Mitmenschen genießt, indem er verkündet: ״Gott hat gesagt:״, während in Wahrheit niemand zu ihm gesprochen hat. Gott und Niemand identifizieren, heißt Gott dem Nichts gleichsetzen, Ihn leugnen. bbb) Meineid. Der lügenhaften Prophetie wesensgleich ist der Meineid. Wenn Wellhausen6 meint, der Eid sei nichts anderes als eventuelle Selbstverfluchung, Herabwünschung des Götterzorns, so ist dies in 1 Deut. 18,20; 1. Hälfte. 2 Deut. 18,20; 2. Hälfte. 3 Deut. 13, 2 ff. 4 vgl. Nachmanides zu Deut. 18, 20. 5 vgl. M. Ch. zu 518. 6 Zum ältesten Strafrecht, S. 97.