Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 58)
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n4 bb) Leugnung Gottes, wie Er sich offenbart hat. Ein etwas schwächerer, für den jüdischen Einzelmenschen und die Gesamtheit jedoch gefährlicherer und darum auch nicht anders beurteilter Grad der Gottesleugnung ist der Götzendienst. Er bedeutet nicht Atheismus, vollkommene Leugnung jedes Gottesbegriffes, sondern nur die Leugnung Gottes, so wie Er sieb offenbart hat.* 1 Der Götzendiener kann Gott, in dem Sinne, wie Er sich offenbart hat, entweder völlig oder auch nur teilweise leugnen wollen. Während er im ersteren Falle Gott durch einen oder mehrere Götzen ersetzt, kann er im letzteren Falle Gott subjektiv grundsätzlich anerkennen wollen, aber auch Götzen neben Ihm.2 Beim Götzendienst bedeutet die Gottesleugnung also zumeist, wenn auch nicht notwendig, Leugnung des Monotheismus zugunsten des Polytheismus. Beide Fälle des Götzendienstes, ob gleichzeitig auch der Monotheismus geleugnet wird oder nicht, sind nach der jüdischen Lehre gleich verpönt. Es kann keinen Unterschied bilden, ob Gott ganz oder nur teilweise geleugnet wird. Auch die nur teilweise Leugnung Gottes bedeutet in Wahrheit seine volle Verleugnung.3 Denn Monotheismus und Polytheismus unterscheiden sich ihrem Wesen nach nicht in der Zahl, sondern im Inhalt.4 Der monotheistische Gott ist keineswegs die Summe aller polytheistischen Götzen, sodaß man Ihm einige Seiner göttlichen Eigenschaften absprechen und einem oder mehreren daher auch zu verehrenden Wesen zusprechen könnte. Gott mit anderen Wesen, nämlich irgendwelchen Götzen, gleichsetzen wollen, heißt Ihn völlig leugnen, indem man Ihn damit auf die gleiche Stufe oder zumindest in eine Gefühl eignen? Der Gottesbegriff, der der mosaischen Gotteslästerungsnorm zugrunde liegt, ist also durchaus nicht transzendental, sondern völlig irdisch gefaßt“. Das allen Religionsverbrechen mit ihren verschiedenen Tatobjekten gemeinsame Schutzobjekt ist also, im geraden Gegenteil zu Webersinn, der Glaube an Gott, wie Er sich den Menschen offenbart hat. 1 Keritot 7b; Sifre zu Num. 15,30; Hirsch, Pentat. zu Num. 15,30. 2 Jehuda ha־Levy I, 97; Hirsch, Pentat. zu Exod. 22,19 a. E.; Lev. 18, 21; 20,3; Num. 15,30. 3 Sanh. 60b, 63 a; Chullin 5a; Mechilta zu Exod. 22, 19; Raschi zu Horiot 8a sub welo ta’assu et kol hamizwot; Maim., H. Akum 2,4; H. Jessode ha-Tora 1,6; Nachmanides zu Num. 15,22; Hirsch zu Exod. 22,19 a. E.; Büchler S. 99ff.; Marmorstein, The Old Rabbinie Doctrine of God I S. 160. 4 vgl. Maim. H. Jessode ha-Tora 1, 7 ff.; H. Scheb. 11,2; Hirsch, Pentat. zu Deut. 6,5; Bäck S. 63; Büchler S. 87; Hertz, Affirmations S. 17; Marmorstein, The Unity of God S. 470ff.; ders., The Old Rabbinie Doctrine of God I S. 160.