Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 57)
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123 Welt und Menschen, alles von Gott in so wunderbarer Weise Erschaffene und bis auf den heutigen Tag von Ihm in Seiner Gnade und mit Seiner Liebe Erhaltene, haben ihre Daseinsberechtigung allein in der ihnen von ihrem Schöpfer aufgetragenen Aufgäbe: Ihm in hingebungsvoller Liebe zu dienen, Seinen Willen zu erfüllen und Ihn so durch ihr Dasein zu heiligen und zu verherrliehen.1 Das ist das jüdische Programm, der alleinige Lebenszweck und -sinn des seiner göttlichen Sendung und seiner Jahrtausendealten Tradition bewußten jüdischen Volkes. Wer frevelnd dagegen sich versündigt, indem er in menschenunwürdiger Dreistigkeit Gott leugnet, hat mutwillig sein Leben verwirkt, das nunmehr sinn- und zwecklos, zu einer leeren Form ohne Inhalt geworden ist. Das unjüdischste und in seinen Folgen verheerendste aller Verbrechen, mit dessen Begehung oder Nichtbegehung die Zukunft eines jeden schicksalhaft verknüpft ist, ist die bewußte Leugnung Gottes. 2.) Systematik der Religionsverbrechen, a) Unmittelbare Leugnung Gottes, aa) Leugnung jedes Gottesbegriffes. Der stärkste Grad der Gottesleugnung ist die Gotteslästerung. Sie bedeutet keineswegs lediglich eine Beleidigung oder Beschimpfung Gottes, wie durchweg irrigerweise angenommen wird,2 sondern nach jüdischer Auffassung besteht das charakteristische Merkmal der Gotteslästerung in dem bewußten, bei besonders krasser Form durch das irdische Gericht zu sühnenden Bekenntnis zur Gottlosigkeit, zum Atheismus.3 4 In unüberbrückbarem Gegensatz zu der von fast sämtlichen heutigen Staaten mindestens zugelassenen Unglaubensfreiheit sind Gottlosigkeit und Kulturbolschewismus, die in der Gotteslästerung zum sichtbaren Ausdruck gelangen, die von der jüdischen Lehre am meisten verpönten Verbrechen.1 1 vgl. Lev. 19,2; Deut. 6,5; 10,12: Hosea 6, 6; Micha 6, 8; Psalmen 18; 19; 113,3.4. 2 vgl. oben S. 7 Anm. 2—4. 3 vgl. Keritot 7 b; Sifre zu Num. 15,30; Hirsch, Pentat. zu Nuin. 15,30. 4 Zu welch unjüdischen, ja geradezu absurden Gedankengängen die hier abgelehnte Auffassung der Gotteslästerung lediglich als Beleidigung oder Beschimpfung Gottes führen kann, zeigt beispielsweise Webersinn, wenn er, S. 10, seiner Ansicht dahin Ausdruck verleiht: ״Die Rache ist eben ein den primitiven Menschen gut bekanntes, tief in ihrer Seele wurzelndes Gefühl Jede Beleidigung ruft es hervor. Warum sollte nicht auch der Gottheit dieses