Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 33)
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Aber auch das wollen wir nicht verschweigen, daß wir die Behauptung des Verfassers, wonach die Hirsch’sche Fassung der Synthese von תעד״א bloß eine הוראת שעה, also bloß eine von seiner Zeit abgerungene, also auch mit seiner Zeit geschwundene notwendige Konzession war, für eine durchaus irrige halten müssen. Es genügt hierfür auf den klassischen Aufsatz: ״Von den Beziehungen der allgemeinen Bildungselemente zur speziellen jüdischen Bildung“ (Ges. Schriften, II, S. 449 u. f.) und auf die berühmte Gedenkrede über Schiller zu verweisen. Wir besitzen aber bereits in einem aus Oldenburg i. J. 5596 an den Jugendfreund Josaphat gerichteten und in der Jubiläumsnummer des ״Israelit“ S. 35 abgedruckten Briefe ein Zeugnis dafür, daß für Hirsch das profane, wissenschaftliche Bestreben keine ״müßige, von der Zeit aufgedrungene Zugabe“, sondern ״Erhellung des Geistes usw.“ war. Daß sich Hirsch hierbei in der allerbesten Gesellschaft befindet und sich sogar auf Mischnah und Talmud berufen kann, dies glauben wir, in unserer Schrift: Ueber den geistigen Nachlaß S. R. Hirschs, S. 70 u. f. wie auch in unserem Artikel: ״Lebt noch der Meister?“ (Der Isr. 1930, Nr. 4) genügend bewiesen zu haben. Doch können wir nicht umhin, hier wenigstens eine diesbezügliche authentische Aeußerung des großen R. Elia Wilna zu zitieren: כי כפי שיחסר לו לאדם הידיעה בשאר החכמות לעומת זה יחסרו לו מאה ידות בחכמת התורה! Auch darin, was der Verfasser in Bezug auf ״ein überschätzendes Irren in der Bewertung der Kultur und ihrer zukünftigen Bedeutung“ seitens Hirschs schreibt, können wir dem Verfasser nicht ganz zustimmen. Gibt doch der Verfasser selber voll und ganz zu, daß die Kultur, die Hirsch vor Augen hatte, ״fraglos eine Schwelle zum Heiligtum der Thora“ war. Nur daß er nicht ahnte, daß in einer nahen Zukunft, im Weltkriege, diese Kultur versagen wird, wie auch, daß ״heute die europäische Kultur von geistigen und politisehen Faktoren beherrscht wird, deren ins Judentum einbezogene Ideologie sich niemals dienend einer Bevormundung Gottes unterstellen könnte“. Ist aber das ״Heute“ auch das ״Morgen“ oder das ״Uebermorgen“?! Und ist denn das ״Heute“ schon die — Ewigkeit?! — fragen wir. Hat denn nicht der königliche Sänger als letztes Vermächtnis uns die Worte mitgegeben: מושל באדם צדיק מושל יראת אלקים