Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 25)
- Belongs to
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91 und an Stelle von eindeutigen Aussagen ergeben sich temperamentvolle Ausfälle, die sich gegenseitig aufheben. Und dies alles in einem Buche, von dem der Verfasser im Geleitwort sagt, daß es sich ״ausgesprochen an Wenige, an Einzelne“ wendet, weil es für den größeren Kreis zu früh gekommen sei. Für die Wenigen wäre es wohl unnötig, die zehn Gebote die Präambel einer Verfassung zu nennen, vom hebräisch sprechenden Satan und literarischen Viehmarkt zu sprechen und dergleichen Stilblüten mehr. Weiß man im voraus, worauf das Buch hinaus will, so wird man bei der Lektüre der ersten Partien skeptisch gestimmt. Man fragt sich, wie es um eine Idee bestellt sein muß, die es nötig hat, zu ihrer Begründung das Geistesgut des Gegners zu verwenden. Was hier über die Konzeption der jüdischen Geschichte, über das Verhältnis von Natur und Schöpfung oder über die historische Schuld des Zionismus gesagt wird, ist den Werken Isaac Breuers entnommen oder nachgeahmt — den Werken eines Schriftstellers also, der gegenwärtig wohl als der markanteste Vertreter des Thora-im-Derech-Erezprinzips gelten darf und dessen Schriften den Gegnern dieses Prinzips nicht unbekannt geblieben sein werden. ״Das jüdische Land tritt wieder ein in die Geschichte “(S. 37), ״... zeitlich kommt vor dem Ueberzeugtsein die Tat“ (S. 95) — und damit man mit der Zeit geht — ״Marxismus herrscht in Palästina, nicht Gott“ — diese und ähnliche Sätze rufen beim Leser die bestimmte Empfindüng wach, mit den Reflexen Isaac Breuer’scher Gedanken zu tun zu haben. Wie weit die Abhängigkeit auch stilistisch geht, mag man an folgendem Beispiel sehen, an dem sich auch das Größen Verhältnis zwischen Original und Kopie ermessen läßt. Es gehört zu den stilistischen Mitteln Isaac Breuers, bei zugespitzten Antithesen und überraschenden Aussagen vor dem entscheidenden Wort am Ende des Satzes einen Gedankenstrich zu setzen. Der Leser wird dadurch einen Augenblick im Lesen und Denken unterbrochen und empfindet umso stärker die Wucht der letzten, entscheidenden Worte. Ohne Bedenken ist dieses stilistische Mittel nicht, denn oft fühlt sich der Leser statt vom gedanklichen Inhalt überzeugt, von einem stilistischen Kunstgriff überrumpelt. Unerträglich aber wirkt es, wenn Schwab dieses Mittel ohne jede Oekonomie verwendet, so, wenn er von der Synthese des Thora im Derech Erez sagt, daß ״in dessen Bejahung die meisten von uns hinein — geboren wurden“. Die