Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1935-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1935) · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 4-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 90 (sequence 24)
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2551369-2551405-2551408--1759-2553276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 dern den Versuch unternimmt, dieses Prinzip historisch, seiner Entstehung nach, einzuordnen, um, es so überwindend, für alle Zukunft es zu verwerfen. Diese Radikalität der Schrift sichert ihr die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit. Der Verfasser, Herr Rabbiner Simon Schwab, kommt aus dem Kreise jener jungen Menschen, die den Weg zu den Jeschiwoth im Osten gefunden haben und für die, wie ja auch für einen großen Teil der bündisehen Jugend, das Thora-im-Derech-Erezprinzip längst nicht mehr als unbestrittenes Ideal galt. Es soll liier zu der Schrift aus einem Standpunkt Stellung genommen werden, der dem des Verfassers insofern verwandt ist, als auch er sich von einer traditionsmäßigen Gebundenheit an die Devise des Thora im Derech Erez frei weiß. I. Da im Buche den entscheidenden Aeußerungen über die Bildungsfrage rund hundert Seiten vorausgeschickt werden, wäre es wohl ein Unrecht am Verfasser, diese hier zu übergehen. In diesen ersten zwei Dritteln des Buches ist von all den Dingen die Rede, die zur Zeit die Herzen bewegen und die Spalten der Zeitungen füllen: von Selbstbesinnung, Umkehr, Umschichtung, Auswanderung, Assimilation, Dissimilation, selbstverständlich auch von Palästina und sogar vom Messianismus. Leider vermißt man öfters Klarheit darüber, wie der Verfasser zu den einzelnen Gegenständen steht. In Bezug auf Palästina soll das noch besonders gezeigt werden. Von der Orthodoxie der Gegenwart heißt es auf Seite 28, daß sie die Bedeutung der Stunde nicht erkannt hat und daher ohne Einfluß blieb, vier Seiten vorher aber, daß ״auf ihrem Gesicht der heilige Ernst der Geschichte“ zu sehen sei. Ebenso weiß der Verfasser von den nichtorthodoxen Juden Deutschlands einmal zu berichten, daß ihre ״Umkehrfälligkeit seit hundert Jahren nicht so stark angewachsen“ war wie im Augenblick (Seite 28), ein andermal aber bemerkt er — und diese Stelle soll gleichzeitig für den Stil des Buches zeugen — anknüpfend an die Worte des Propheten Arnos, daß das Volk beim Posaunenschall erzittere: ״Nein, Arnos, das hast du wohl nicht gewußt, — das Volk wird weiter tatenlos bleiben wollen, wird — nicht erzittern!“ (S. 24). Der Grund für diese Wider־ Sprüche liegt wohl an dem Stil des Buches, der alles in den obersten Tönen der Sprache ausdrücken möchte. So greift er bald in der einen, bald in der anderen Richtung zu Superlativen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.