Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 22)
- Belongs to
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88 Wie kann auf diese Weise eine Norm für eine religiöse Gemeinschaft überhaupt festgelegt werden, wo ja jedes objektive Merkmal der Bewertung fehlt, wo Rüben sich doch nicht von Simon diktieren lassen kann, welche ״Selbstmitteilung Gottes“ er empfindet. Es wird wahrscheinlich die geschichtliche Erfahrung des englischen Juden — auch des liberalen — den Gotteswillen andersartig offenbaren, als den deutschen Juden sein geschichtliches Erfahren. Wo ist hier die Basis für irgend eine gemeinschaftliche Bindung und welches Spiel mit Worten bedeutet es, wenn die erste These des Herrn Dr. Dienemann trotz״ dem kündet, der jüdische religiöse Liberalismus geht aus von der Offenbarung Gottes? Wahrscheinlich hat Herr Dr. Dienemann die Unmöglichkeit einer solchen Fundierung einer jüdischen Gemeinschaft selbst empfunden. Und er stellt daher an die Stelle der tatsächlichen Gottes-Offenbarungen den Begriff der Gemeinschaft, welche dem Individuum die Formen der jüdischen Lebensbetätigung zu diktieren haben. Dieses sei das neue Moment gegenüber dem bisherigen jüdischen Liberalismus. Der Individualismus sei zu Gunsten der Gemeinschaft abzulösen. Es erhebt sich selbstverständlich sofort die Frage: Welche Gemeinschaft ist dieses nun, deren Willensbildung für das einzelne jüdische Individuum verpflichtend ist? Nicht etwa die große Gemeinschaft innerhalb des jüdischen Volkes — die einzige, welche in der Tat einen überindividuellen gemeinschaftsbildenden Faktor ihr eigen nennt — für welche die Bibel kein Menschenwerk ist, nicht etwa die große Gemeinschaft der heimgegangenen Väter und Mütter der gegenwärtigen Judenheit, die 2000 Jahre für Bibel und Talmud gelebt und gestorben, nein die Gemeinschaft des Herrn Dr. Dienemann, die richtunggebende und wegweisende ist diejenige der neuen Jugendbünde! Es muß, sagt Dr. Dienemann, aus diesen Bünden anstelle des Schülchan Aruch ein Wille hervorgehen zu einer Regel und zu einer Form. ״Die Jugend ,muß diesen Willen bekunden, dann wird sich alles finden“. Wäre es nicht so tief traurig, so wäre eigentlich hier Stoff px einer Purim-Komödie mit dem Titel: ״K abed es Bincho wees Bit ec ho“: Die liberale Jugend wendet sich voll heißem Sehnen an die liberalen Führer, erkundigt sich bei ihnen, was ist Judentum, wofür tragen wir unser Schicksal? Was haben wir zu tun, um unser Judentum mit Inhalt zu erfüllen? und worin be־