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Nahalat tsevi · 1935-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1935) · p. Seite 87

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 4-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 87 (sequence 21)
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späterhin angefügten Thesen, welche in ihrer Knappheit und Doppelsinnigkeit ein Schulbeispiel dafür bieten, mit welcher Leichtigkeit ein und dieselbe Worthülse entgegengesetzte Inhalte in sich bergen kann. Das Referat Dienemanns ging von dem Begriff der O f - fenbarung aus. Er versteht darunter nicht einen einmaligen geschichtlichen Vorgang, leugnet also die Offenbarung am Sinai, ist sich aber andererseits klar darüber, daß mit der Leugnung einer Offenbarung der geschichtliche Boden für die jüdisehe Religion verloren ist. Er sucht daher jene unbequeme Frage, die einstens Rabb. Hirsch s. A. an die Liberalen seiner Zeit gerichtet hat: ״Ist das ״und Gott sprach zu Mosche wie folgt“: womit alle Geisetze der jüdischen Bibel beginnen, ist es eine Wahrheit,... so müssen wir dieses Gesetz halten, müssen es erfüllen unverkürzt, ungemäkelt unter allen Umständen es halten, zu allen Zeiten muß uns dieses Gotteswort das ewige über alles Urteil des Menschen ewig erhabene Maß sein, demgemäß wir uns und unser Tun jederzeit gestalten müssen... Ist uns aber diese Tradition ״nicht Trädition“, ist sie uns nur Maske, unter welcher frommer Priesterbetrug seine Ansichten dem Volke für Gottes überliefertes Wort gegeben ... dann hat Gott nicht zu Mosche gesprochen, dann haben wir nicht Gottes Lehre in Händen, dann sind wir, dann ist die ganze Menschheit mit uns, deren Heils hoff nungen in diesem Worte wurzeln, dann sind wir alle betrogene Betrüger, und dann ist es Zeit, diesen ganzen Jammer offen und frei abzuschütteln.“ folgendermaßen zu beantworten: ״Offenbarung ist nicht ein einmaliger geschichtlicher Vorgang, sondern die stete Selbstmitteilung Gottes in Geschichte und Natur. Es kommt nicht darauf an, daß alle die! gleiche Auffassung von dem, was man Offenbarung nennt, haben, sondern es kommt darauf an, daß man den Willen hat, sich zu offnen und aufzuschließen, um den Ruf Gottes, wie man ihn hört und wo man ihn hört, empfänglich zu machen, damit man ihn hört. Die Bibel ist als ein Buch anzusehen, das Menschen geschrieben haben und das auch Menschen jeweils nach den Methoden ihrer Forschung der Kritik unterziehen können/* Wenn Worte einen Sinn haben, so ergibt sich daraus, daß diese Art von Offenbarung, wie sie uns von Herrn Dr. ,Dienemami offenbart wird, eine rein individuelle Angelegenheit der Einzelpersönlichkeit darstellt. Sie richtet sich je nach der Aufnahmefähigkeit und Empfänglichkeit und nicht zuletzt der Deutungskunst des Einzelnen für Geschichts- und Naturvorgänge, die er erlebt.

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