Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 17)
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85 hat. Von keinerlei Einblick in die metageschichtliche Wesensart des jüdischen Volks beschwert, ganz seinem rein politischen Ethos hingegeben, entfaltete Herzl die Fahne des von Zions Gesetzesheiligtum völlig losgelösten Jeruscholajim, und lang ehe noch ein vom Gotteswort allseitig durchdrungener und beherrschter jüdisch-nationaler דרך אייץ zur Verfügung stand, lang ehe noch unser Volk bereit war, Zions Jeruscholajim zu sein, erscholl sein schriller Ruf zur Rückkehr nach Jeruscholajim. Wenn die Vorsehung diesem Ruf geschichtliche Folgen gegeben, wenn sie das Nationalheim wenigstens im Sinne eines probeweisen Anfangs zur Entstehung gebracht hat, so hat sie damit *las jüdische Volk vor eine Aufgabe von solch unermeßlicher Schwere gestellt, daß wir an ihrer Lösung verzweifeln müßten, hätte die Vorsehung uns nicht vor Herzl — Rabbiner Hirsch geschenkt! Nur Rabbiner Hirsch kann Herzl überwinden. Unsere zionistischen Gegner fühlen dies mit jenem sicheren Instinkt, wie ihn eben nur ein Gegner besitzt. Das Gotteswort, eingebannt ins Beth Hamidrasch, in seiner Herrschaft eingeschränkt auf den kümmerlich דרך ארץ vergangener Jahrhunderte, der oft nur deshalb noch ist, weil er nicht einmal die Kraft zum Sterben hat, ist ihnen nicht gefährlich. 4ber das Gotteswort vom Beth Hamidrasch, die Herrscherhand erstreckend auf ein die Menschenkräfte harmonisch entfaltendes Volksleben, das Gotteswort von Zion, machtvoll einströmend in die lebendigen Gassen Jeruscholajims: Rabbiner Hirschs historische Schau trifft das Herz ihres Herzens. Sie fühlen nur die Gefahr, denn ein wirkliches Verständnis für die ragende Gestalt Rabbiner Hirschs besitzen sie nicht, können sie nicht besitzen, weil sie in ihrer geistigen Struktur heillos — assimiliert sind. Töricht ist der Glaube, daß es genüge, hebräisch zu sprechen und zu schreiben, um vor Assimilation geschützt zu sein, und nur allzu oft schauen aus dem Löwenfell des עברית die wohlbekannten Eselsohren europäischen Denkens und Fühlens hervor. Vergleicht man etwa die hebräische Universität in Jeruscholajim mit der ganz im Geist Rabbiner Hirschs von seinem großen Nachfolger זצ״ל errichteten Jeschiwah in Frankfurt, so ist ein Zweifel darüber unmöglich, daß man sich tausendmal eher den Schnupfen der Assimilation an der hebräischen Universität in Jeruscholajim holen kann als an der Jeschiwa in Frankfurt. Die eigentliche Gefahr für den Zionismus bildet ein Judentum, das an Rabbiner Hirsch zu selbstbewußtem Können und Kämpfen erstarkt. Möch״