Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 16)
- Belongs to
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82 Nur mit tiefster Erschütterung können wir es heute feststellen: die von Rabbiner Hirsch prophetisch vorausgeschaute unmittelbare Entwicklung zum Gottesstaat, die von Rabbiner Hirsch prophetisch vorausgeschaute probeweise Gegenüberstellung des kommenden Zion und des kommenden Jeruscholajim, verbunden mit dem von Rabbiner Hirsch prophetisch vorausgeschauten unaufhaltsamen Hinausgedrängtwerden des jüdischen Volks auf die geschichtliche Tribüne der Völker, wo es gilt, in metageschichtlicher Bewährung den Namen Gottes öffentlich zu verherrlichen: wir Heutigen erleben es unter tausend Schmerzen als fürchterlich ernste Wirklichkeit! Schneller, als Rabbiner Hirsch selber es wohl geahnt hat, ist die Zeit gekommen, da sich der von Rabbiner Hirsch mit Riesenkraft im Namen des Gottesworts angefaßte moderne דרך ארץ [als דרך ארץ von ^ארץ ישר offenhart. Noch waren erst, vor allem in Deutschland — und das bleibt unser dauernder Stolz! — die ersten Anfänge zum Aufbau des jüdischen Volks für das kommende zionbeherrschte Jeruscholajim geschehen: und schon wogt in unseren Tagen in ארץ ישראל selber der Kampf des Gottesworts von Zion mit den in rasender Schnelle wachsenden Lebenstatbeständen von Jeruscholajim. Es hatten sich kaum erst die Augen unseres großen Lehrers geschlossen, da folgte auf seinen Weckruf zum Gottesstaat der Weckruf zum Judenstaat, und erst dieser Weckruf zum Judenstaat in seiner diametralen Gegensätzlichkeit zum Weckruf zum Gottesstaat hat uns Nachfahren das eigentliche Wesen der Leistung Rabbiner Hirschs enthüllt. Auf den Weckruf zur Metageschichte kam der Weckruf zur Pseudogeschichte, auf den legitimen Revolutionär kam der illegitime Revolutionär und der ganze Sinn des furchtbaren ernsten Erlebens unserer Tage liegt in dem einen Satz beschlossen: Hirsch oder Herzl! Ein Drittes gibt es nicht! Aufstieg zur Metageschichte oder Abstieg zur Völkergeschichte! Ein Drittes gibt es nicht. Endgültig ist unsere nationale Galuthgeschichte aus einem Epos zu einem Drama geworden. Sie schreitet fort, sie schreitet unaufhaltsam fort. Setzt sich in ihr Rabbiner Hirsch durch, so winkt uns der Gottesstaat des über Jeruscholajim herrschenden Zion als Siegespalme. Setzt sich in ihr Rabbiner Hirsch nicht durch, so kann der Gottesstaat nur noch als — Gnade kommen. Ein Drittes gibt es nicht. — Es hat uns die Vorsehung nicht gegönnt, in geruhsamer Entwicklung das jüdische Volk im Galuth für den kommenden Gottesstaat aufzubauen, wie wohl Rabbiner Hirsch selber gehofft