Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 15)
- Belongs to
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81 Rabbiner Hirschs seine metageschichtliche Einstellung überholt oder ihr vielmehr brennendste Aktualität wie nie zuvor verliehen? Wie ist doch heute die jüdische Welt, bis tief in die Reihen der Orthodoxie, noch mit grausamer Blindheit geschlagen. Toren, die da glauben, es habe der große Revolutionär, der das Gotteswort aus der Erstickung bringenden Umklammerung eines hinsterbenden דרך איץ befreite, diese heroische Tat nur vollbracht, um das Gotteswort sofort wieder mit einem anderen דרך ארץ etwa dem deutschen דרך ארץ seiner eigenen Manneszeit, auf Gedeih und Verderb und auf Ewigkeit zu verknüpfen. Toren, die da glauben, es habe Rabbiner Hirsch den deutschen דרך ארץ seiner eigenen Manneszeit um dieses דרך ארץ selber willen erkoren und ihn gewissermaßen als zweite Absolutheit neben die Absolutheit des Gottesworts hingestellt. Wer also denkt und also das Volk belehrt, der hat sich allerdings an einer äußerst zugigen Ecke mit Rabbiner Hirsch getroffen, und aus ihm spricht wahrlieh nicht Rabbiner Hirsch, sondern sein eigener unheilbarer Schnupfen. Wenn der deutsche דרך ארץ für die deutschen Süden eine Einschränkung erfährt, so wird eben das Gotteswort seine Herrschaft auf diesen eingeschränkten דרך ארץ zu erstrecken haben, und nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte steht es rein praktisch noch lange nicht fest, ob diese Einschränkung dem Gotteswort Abbruch tun muß. Die Großtat Rabbiner Hirschs sei־ nen Zeitgenossen gegenüber war doch gerade die Loslösung des Gottesworts von einem דרך ארץ jahrhundertelanger Gewöhnung und die Verkündung der Forderung, daß das ewig unveränderliehe Gotteswort jedem דרך ארץ gewachsen sein müsse, den die Vorsehung in geschichtlicher Entwicklung zur Entstehung bringt und über die Glieder des jüdischen Volks verhängt. Nur wer von der geschichtlichen Leistung Rabbiner Hirschs nicht die geringste Ahnung hat, kann die jüngsten Ereignisse in Deutschland als einen Zusammenbruch seiner Weltanschauung erachten. Wesentlich ist allein dies: Hat Rabbiner Hirsch richtig gesehen, da er unter Fahrenlassen des דרך ארץ der vergangenen Jahrhunderte Westeuropas den neuen דרך ארץ Westeuropas mit dem Gotteswort konfrontierte? Hat er richtig gesehen, da er eine neue Epoche der jüdischen Galuthgeschichte eröffnete, da er uns zur Rückkehr in die aktive Nationalgeschichte des Gottesworts und des Gottesstaats aufrief und da er an das ungeheure Werk schritt, dem kommenden Gottesstaat den jüdischen Volksköxper aufbauend bereitzustellen?