Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 12)
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des tempelgekrönten herrschenden Zion zu Jeruscholajim, der Stätte des menschlichen Nebeneinander, hat der Gottesstaat seinen symbolhaften Ausdruck. Zion und Jeruscholajim: das ist die absolut herrschende Thora und der absolut beherrschte דרך ארץ. Aber der דרך ארץ der früheren Jahrhunderte des Galuth, zumal des letzten Jahrhunderts vor Rabbiner Hirsch, hatte in all seiner Dürftigkeit, in all seiner Verkümmerung der den Menschen von Gott verliehenen Mannigfaltigkeit der Kräfte nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem דרך ארץ des vergangenen und des kommenden Jeruscholajim. Nur auf einem höchst kärglichen Ausschnitt menschlicher Betätigungsmöglichkeit konnte die Thora ihre Herrschaft ausüben. Niemand hat mit tieferem Verständnis, niemand mit erschütternderen Worten das Andenken unserer heimgegangenen Ahnen im Ghetto geehrt als Rabbiner Hirsch. Ihm waren es Zeiten des Triumphes der Thora, deren Macht selbst in das Leben der Parias Sonne und Freude zu tragen vermochte und ihnen tiefste Frömmigkeit und immerzu wachsende Gelehrsamkeit vermittelte. Aber freilich: die jüdische Nationalgeschichte als solche schien keinen Schritt vorwärts zu gehen: ihr Inhalt schien: Leiden und Dulden und Harren und Hoffen. Es war die Epoche der vollendeten Passivität der jüdischen Nationalgeschichte. Und nun sah Rabbiner Hirsch die Mauern der Ghetti zusammenbrechen. Nun sah Rabbiner Hirsch bei den Völkern den Geist der Menschlichkeit und Gerechtigkeit — es ist dies das bleibende Verdienst des Liberalismus der großen französischen Revolution — mehr und mehr erstarken. Nun sah Rabbiner Hirsch auf die Juden Westeuropas einen neuen דרך ארץ zukommen, der ihre Lebensmöglichkeiten zwar wesentlich komplizierte, aber auch in ungeheurem Maße bereicherte. Da tauchte in ihm die Vision des einstigen Zion, herrschend über Jeruscholajim, die Vision des kommenden Zion, herrschend über Jeruscholajim, mit hinreißender Deutlichkeit auf, die Vergangenheit ward ihm zur Lebendigkeit des ויהי, die Zukunft zur Wirklichkeit des והיה, und aus solcher Vergangenheit und aus solcher Zukunft formte er das Bild des neuen jüdischen Menschen, dem sich die neue Epoche der Aktivität der jüdischen Nationalgeschichte eröffnet, der aus der lebendig gewordenen nationalen Vergangenheit die Kraft zur Tat für die Zukunftswirklichkeit schöpft und in der Darbringung der Vielgestaltigkeit des neuen דרך ארץ unter die Alleinherrschaft des Gottesworts seine im Galuth endlich ge-