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Nahalat tsevi · 1935-01-01 · Heft 4-6 (Januar 1935) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 4-6 (Januar 1935)
Date
1935-01-01
Page
Seite 77 (sequence 11)
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מ einer weitläufigen halachischen Begründung bedürftig. \us der Ewigkeit des Gotteswortes schöpfte er die unmittelbare Gewißheit, daß es keineswegs an einen bestimmten, doch auch nur im Laufe der Zeit gewordenen und darum vergänglichen דרך ארץ gebunden sei. Ihm schien im Gegenteil der Zweifel unerlaubt, ob denn auch das Gotteswort dem neuen דרך ארץ gewachsen sei. Aus dieser Selbstgewißheit entnahm er das Recht, den dahinsterbenden דרך ארץ fahren zu lassen und den neuen דרך ארץ als Objekt der Herrschaft der Thora, zu acceptieren. Die Stimmung aber, mit der er dem neuen דרך ארץ gegenübertrat, die Art, wie er ihn zur herrschenden Thora in Verbindung brachte, bedeutete letzten Endes die Anbahnung einer neuen jüdischen Lebensform, deren tiefster Sinn nur aus der historischen Einstellung Rabbiner Hirschs zu ermitteln ist. Dieser Sinn hat sich schwerlich bereits seinen Zeitgenossen geoffenbart. Wir Heutigen sollten es wissen: der tiefste Sinn der Leistung Rabbiner Hirschs war die Rückführung des jüdischen Volks in seine Geschichte, deren Ziel kein anderes ist als die Wiederherstellung des Gottesstaates. V. Nur ein einziges Mal hat sich Rabbiner Hirsch gewissermaßen ex cathedra über die geschichtliche Vision geäußert, zu deren Anbahner er sich für die Dauer seines Lebens gemacht hat. Diese geschichtliche Vision muß er schon in frühen Jahren gehabt haben, denn sie findet sich in den Neunzehn Briefen. Wehe unserer Jugend, wenn diese Schrift ihr nichts mehr zu sagen hätte. Wehe unserer Jugend, wenn sie vor dem Glutenhauch dieser Blätter nur naserümpfend den Stil zu bemäkeln wüßte. Herr Scholem freilich scheint mir hinreichend verdächtig, diese Schrift so wenig wie die meisten anderen Werke Rabbiner Hirschs wirklich zu kennen. Er hat anscheinend nur die Schillerrede gelesen und sich dort an einer für ihn sehr windigen Ecke einen mörderischen Schnupfen geholt. Die früheren Jahrhunderte des Galuth hatten keinerlei dem Menschenauge erkennbaren Zusammenhang mit der jüdischen Nationalgeschichte, deren unverrückbares Ziel die Wiederher- Stellung des Gottesstaates um das Gesetzesheiligtum auf Zion als Mittelpunkt nach der Verheißung des Gottesworts bildet. Der Gottesstaat: das ist die Erstreckung der Thoraherrschaft über die ganze vielgestaltige Fülle des Menschentums überhaupt, wie es im Nationalstaat seine höchste Entwicklung findet. Im Verhältnis

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