Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 10)
- Belongs to
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76 der Meister selbst. Was ihn betrifft, so schöpfte er aus ihr vor allem die im Grunde für die Thora als Volksleben gestaltendes Gesetz fast selbstverständliche Bestätigung, daß die Thora nicht im Lehrhaus ihr Ziel und damit ihre Schranke finden dürfe, daß vielmehr die Thora zu den jeweiligen Lebensbedingungen und Lebensverhältnissen in Beziehung und Verbindung gebracht werden müsse. Die Thora ist das unvergänglich Dauernde, das ewig Unabänderliche, aber der דרך ארץ ist das ewig Wechselnde, das immerfort Veränderliche. Nicht die Inbeziehungsetzung der Thora mit dem דרך ארץ überhaupt ist das Revolutionäre an der Lebensleistung Rabbiner Hirschs, zu allen Zeiten stand ja die Thora in Verbindung mit dem Leben, auf das sie sich zu erstrecken hatte als Lebensgesetz. Es hat noch keine Zeit gegeben, die etwa nicht gesehen hätte, daß der ד״א das Bereich ist der Bewährung der Thora. Es ist der ד״א die Vorbedingung der Thora, nur weil es einen ד״א gibt, darum braucht der Mensch die Thora, daß er auf diesen ד״א die Thora erstrecke. תעד״א ist wahrhaftig keine Erfindung von Hirsch, Inbeziehungsetzung der Thora zum jeweiligen ד״א ist nicht ihm Vorbehalten geblieben. Das Revolutionäre an Rabbiner Hirsch ist der unvergleichliche Mut, den er besaß, einen dahinschwindenden דרך ארץ als solchen zu durchschauen, daß er mit Riesenkräften einen neu auf kommenden דרך ארץ anpackte und zum Richterstuhl der Thora schleppte, daß er über die Allmacht einer jahrhundertealten Gewöhnung Sieger wurde, die sich die Thora nur in Zusammenhang mit einer ganz bestimmten Art von דרך ארץ vorstellen konnte, daß er in genialer Vorausschau die Thora aus der tödlichen Verstrickung mit einem bereits überholten דרך איץ befreite und den neuen, den lebendigen, den gegenwärtigen דרך ארץ in seiner Gegebenheit als möglichen Tatbestand der Thora bejahte, zugleich aber auf diesen neuen Tatbestand die unbedingte Alleinherrschaft der Thora mit einer Strenge erstreckte, die eigentlich jedes Miß- Verständnis über den wahren Sinn seiner revolutionären Tat hätte ausschließen sollen. Nicht die Beziehung zu den sogenannten חצוניות als solchen. nicht dieses Problem, das fast so alt ist wie die Geschichte des jüdischen Volkes selber, gibt den Schlüssel zum Verständnis des historischen Wesens Rabbiner Hirschs. Die Beschäftigung mit den חצוניות um der חצוגיות willen hat zudem Rabbiner Hirsch im Anschluß an jene bekannte Stelle des ת״כ rundweg abgelehnt. So revolutionär seine Tat war, so wenig schien sie ihm