Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 4)
- Belongs to
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7a lossagen und mit Behagen in ihrer Gegenwart weilen: dem jüdisehen Volk bedeutet seit zweitausend Jahren die Gegenwart nur — Galuth. Wie hat das jüdische Volk zweitausendjähriges Galuth tragen können? Weil es ganz und gar das Volk der Geschichte ist, das Volk der Geschichte des Gottesworts, und weil diesem Gotteswort das Galuth nur Uebergang ist von glücklicher Vergangenheit zu glücklicher Zukunft. Zahllos sind die jüdischen Menschen, die dem Gotteswort die ganze Kraft ihres Lebens geweiht haben. Jeden wahren Gedanken, den sie gedacht, bewahrt Gottes bergende Hand auf, denn sie haben die Geschichte des Gottesworts bereichert. Aber nur ganz wenige Persönlichkeiten hat uns Gott im Galuth geschenkt, die dazu berufen waren, nicht nur die Geschichte des Gottes- Worts zu bereichern, sondern dieser Geschichte selber einen Stoß zu geben, der die Vergangenheit wach ruft und mgleich die Zukunft anspricht und solchermaßen zwischen Vergangenheit und Zukunft neue Beziehungen schafft, die letzten Endes bestimmt sind, die Erlösung des jüdischen Volkes näher zu bringen. Als eine solche Persönlichkeit begreifen wir Rabbiner Samson Raphael Hirsch זצ״ל, als eine durch und durch geschichtliche Persönlichkeit, eingeengt zwar zwischen Vergangenheit und Zukunft, aber von Gott begnadet, die Vergangenheit im Zeichen des ויהי als ein lebendig Werdendes, die Zukunft im Zeichen des והיה als ein lebendig Wirkliches zu erfassen und damit dem jüdischen Volk einen Weg in die Vergangenheit zu weisen, der zugleich ein Weg in die Zukunft ist. II. Jede große geschichtliche Persönlichkeit ist eine revolutionäre Erscheinung. Vermöge ihrer geschichtlichen Sendung steht sie irgendwie im Gegensatz zu den Zeitgenossen, und je bedeutender diese Sendung ist, umso nachhaltiger wirkt der Gegensatz und vererbt sich selbst noch auf die Nachfahren, bis die Sendüng erfüllt ist und, was ehedem revolutionär war, zur Selbst- Verständlichkeit wird. Anders aber vollzieht sich eine Revolution im jüdischen Volk als bei den Völkern der Erde. Jede Revolution bei den Völkern der Erde bedeutet einen Rechtsbruch. Das Recht der Völker ist kein ewiges Recht, sondern ein Produkt der zeitlich bedingten Meinungen über die Art des menschlichen Nebeneinander. Es wechseln aber diese Meinungen schneller, als das einmal gesetzte Recht sich zu ändern