Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 4-6 (Januar 1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Belongs to
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Rabbiner Hirfch als Wegweiser in die Jüdifche Gefchichte. Rede, gehalten von Dr. Isaac Breuer, anläßlich der von der Rabbiner- Hirsch-Gesellschaft in Frankfurt a. M. zum 27. Tebeth 5695 veranstalteten Jahrzeits-Gedenkfeier für Rabbiner Hirsch לצ״ל♦ I. ״ אחור וקדם צרתני ותשת ע^י' כפכהZwischen Vergangenheit und Zukunft hast Du mich eingeengt, hast aber auf mich Deine Hand gelegt!“ In diesem einen Satz spricht der königliche Sänger, auf sein eigenes Leben zurückblickend, das Geheimnis jeder großen, jeder geschichtlichen Persönlichkeit aus. In dem völlig irrealen Raum zwischen Vergangenheit, die nicht mehr ist, und Zukunft, die noch nicht ist, bewegt sich ihr Wirken, und nur Gottes auffangende, bewahrende imd erhaltende Hand — כף und nicht יד — ist es, die diesem Wirken eine die formerstarrte Vergangenheit auflockernde, eine die formentbehrende Zukunft gestaltende Folge gibt. אחור וקדם צרתני Eine große Persönlichkeit, hineingestellt zwischen Vergangenheit und Zukunft, kann nicht zeitlos dogmatisch, kann nicht als Individualität für sich, sondern kann nur geschichtlich, nur in Zusammenhang mit Vergangenheit und Zukunft gewertet werden, und nicht einmal darauf kommt es an, wie sie sich selber begriff oder wie sie von ihren Zeitgenossen begriffen wurde, ausschlaggebend ist vielmehr, was von ihrer Leistung Gottes Geschichte lenkende Hand aufnahm, um es zu einer geschichtlichen Leistung zu machen, die in einem gewissen Sinne die geschichtliche Vergangenheit neu belebt und die geschiehtliehe Zukunft vorwegnimmt. Jede große Persönlichkeit ist ein Wegweiser in die Geschichte: sie entwirrt die verschlungenen Pfade der Vergangenheit, und sie führt zugleich in Neuland. Gilt dies aber von allen großen Persönlichkeiten, so ganz besonders von den großen Persönlichkeiten des jüdischen Volkes. Versteht man unter Geschichte die restlose Ausmerzung der als fiktiv erkannten Gegenwart zugunsten der Vergangenheit und Zukunft, so ist das jüdische Volk mehr als alle anderen Völker das Volk der Geschichte. Nur der ungeschichtliche Mensch lebt in der Gegenwart. Mögen andere Völker von der Geschichte sich