Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 59 (sequence 61)
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gen zur Hebung des jüdischen Wissens sind lobenswert, alle soziale Tätigkeit ist notwendig, und vor allem um die Ehre alle Bemühungen um Existenz des jüdischen Namens sind bitter ernst; aber sie bedeuten nur etwas auf dem Boden der Religiosität. Denn zerfällt sie, ist alles zerfallen. Dieses Glaubensgut ist bei der Masse der Westjuden schlecht aufgehoben. Und die Mittel, dem Judentum neues Leben einzuflößen, mögen durchaus segensreich sein; sie stützen den Bau aber nur dann gut, wenn sie auf der Grundlage der Religiosität ruhen. Alles mag so vortrefflich wie möglich gezimmert sein; es stürzt zusammen, wenn die Grund־ mauer birst. — Niemand, der dem Judentum in seiner überlieferung streng ergeben ist, wird und darf in seiner Überzeugung wankend gemacht werden. Wer aber kein Glaubensgut sein eigen nennt und die Religiosität für ״überwunden“ ansieht, der muß in dem sog. ״liberalen“ Judentum den alleinigen Weg zur Erweckung und Erhaltung der Religiosität erblicken. Absichtlich ist das Wort ״sogenannt“ liberal ge־ wählt, weil der Begriff liberal mißdeutend, ja falsch ist. Ge־ meint ist jenes Judentum, das, $9 aus religiösem, überliefertem Quell schöpfend, alle Erkennt־ nisse und Erscheinungen der Zeit auf ihren religiösen Ge־ halt prüft und sie im Falle der Bewährung mit dem Ju־ dentum verbindet.“ Wenn Worte einen Sinn ha־ ben, so kann unter ״Bewährung“ nur verstanden sein, daß alle Erkenntnisse und Erscheinungen der Zeit dem jüdischen Geistes־ gut nur dann einverleibt werden sollen, wenn sie nicht im Widerspruch zu den jüdischen über־ lieferten Werten stehen. Es kann aber gewiß nicht bei־ spielsweise eine Aufführung von Stefan Zweigs ״Jeremias“ durch eine Gruppe des jüdischen Kulturbundes etwa damit enden, daß der Vorsitzende dieser Gruppe die jüdischen Spieler auffordert, nunmehr nach vollendetem Spiele sich in ein nichtjüdisches Restau־ rant zu einem trefenen Mahle zu begeben, wie dies jüngst in Frankfurt geschehen ist. Es wird auch in Zukunft keine orthodoxe jüdische Gemeinschaft etwa dadurch in ihrer Ueber־ zeugung wankend gemacht wer־ den dürfen, daß die Gewährung und Erhöhung der Subventionen an Schulen davon abhängig gemacht wird, daß das Lehrprogramm durch Vertreter des sogenannten ״Liberalismus“ mitbestimmt werde.