Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 56 (sequence 58)
- Belongs to
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56 zu Geschlecht anwachsenden, Unheil bringenden Erbmasse der ihr gebührende Anteil an der Schuld des Einzelnen eingeräumt und sie selbst ihrer nicht geringen Bedeutung gemäß gewürdigt wird, so muß dies im gleichen Maße auch für das entsprechende Gegenstück gelten: Das rechtgemäße Wohl verhalten des Einzelnen ist zum Teil das unbestreitbare Verdienst seiner Gott liebenden und verehrenden Eltern. Mit der Zunahme der Glück und Segen spendenden guten Erbmasse der Vorfahren nimmt das eigene, persönliche Verdienst des Einzelnen ab. Sein Wohlverhalten ist zum beträchtlichen Teil in dem kostbaren Erbgut rechter Eltern begründet. In dem jeweiligen Maße der überkommenen guten Anlage müßte dem Einzelnen die Belohnung seiner guten Taten in Abrechnung gebracht werden. Denn diese sind in dem gleichen Maße nicht sein Verdienst. Dieses unerfreuliche Ergebnis würde auch nicht ohne entsittlichende Folgen bleiben. Wenn alles Gute und Schöne, das der Mensch in seinem Leben übt, beträchtlichen Teils dem Konto seiner vorbildlichen Eltern zugeschrieben werden soll, wird er schließlich dazu gelangen, die von ihm eingeschlagenen Lebenspfade zu verlassen, seine guten Anlagen nicht weiter zu bilden, ja sogar sie zu vernachlässigen und verkümmern zu lassen und statt ihrer die schlechten, fluchbringenden Anlagen zu entwickeln. Dem gegenüber betont nun Gott: ״Der Ich Liebe erweise bis ins 1000. Geschlecht, denen die Mich lieben und Meine Gebote hüten״. Trotzdem Er den Menschen nur für dessen persönliche Schuld zur Verantwortung zieht, sollen auch die das Verdienst seiner Eltern darstellenden guten Taten ihm zugerechnet werden. Der auf die gute Erbmasse entfallende Anteil an dem Wohlverhalten des Einzelnen hat den Rechtsanspruch auf den ihm entsprechenden Lohn zwar zum Erlöschen gebracht, doch Gottes unbegrenzte Liebe zu den Menschen ist es, die auch dieses, in der glücklichen Erbmasse begründete Wohl verhalten dem Einzelnen belohnt.1 In diesem Sinne ergänzt Gott in Seiner Barmherzigkeit 1 Diese Auslegung findet eine Stütze in der poetischen Gestaltung der 13 Glaubensartikel des Maimonides. Denn die Grundlehre der Vergeltung ist in dem in das Gebetbuch auf genommenen Jigdal, als dessen Verfasser der Dajan Daniel ben Jehuda aus Rom, um 1300, angenommen wird (vgl. Abrahams S. VII, Baer S. 154, Elbogen S. 87), dahin zum Ausdruck gebracht, daß der Frevler nur für seine subjektive Schuld bestraft, das Gute dagegen in liebevoller Weise der objektiven Tat entsprechend belohnt werde. Vgl. auch Psalm 103,17.18 und zum Unterschied von dieser Formulierung in Jigdal: 2. Sam. 22,21; Psalm 18, 21; 28,4.