Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 50 (sequence 52)
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50 Zeugnis ablegt, als daß Gott ״ein furchtbarer Rächer in seinem Zorn“ sei.1 Nach jüdischer Auffassung lehrt uns gerade Gott die richtige, Welt erhaltende und ihren Bestand bedingende Synthese finden zwischen versöhnender Liebe und sühnendem Recht.2 Gott straft nur, soweit es Sein Recht, d. h. die Erhaltung Seines Rechts erfordert. Das Primäre ist bei Ihm nicht die in die Vergangenheit weisende Rache, sondern die für die Zukunft bedeutsame Innehaltung Seines Rechts.3 Erst dann gelangt das strenge Recht zur uneingeschränkten Anwendung, wenn der Rechtsbrecher hartnäckig seinen verbrecherischen Weg fortzusetzen gewillt bleibt.4 Es liegt dieser Anschauung derselbe Gedanke zugrunde, wie er, in Anlehnung an das Prophetenwort,5 in der Neujahrsliturgie6 dahin zum Ausdruck gelangt ist: ״Du verlangst nicht, daß der Todesschuldige sterbe, sondern daß er umkehre und lebe“! Zum Belege für die Richtigkeit dieser Auslegung des el kana sei als ein Beispiel unter vielen die in ihrer Einfachheit so tiefen Eindruck machende Geschichte des Propheten Jona angeführt: Auf Gottes Befehl, dem er sieh zunächst vergeblich zu entziehen versucht hatte, mußte Jona der großen Stadt Ninive wegen der in ihr groß gewordenen Verderbtheit den Untergang verkünden. Eine letzte Frist von 40 Tagen war ihr gewährt worden. Die der angedrohten Vernichtung Geweihten hatten den Ruf Gottes verstanden und das verhängnisvolle Geschick durch tatsächliche Besserung abzuwenden vermocht! — ־־־ Jona, der nunmehr fürchtete, als Lügner entlarvt und späterer v erfolgung ausgesetzt zu sein, war dadurch seines Lebens überdrüssig geworden. So flehte er denn zu Gott: ״ .... ich wußte ja, daß Du ein gnadenvoller und barmherziger Gott bist, langmütig und reich an Liebe, der das (bereits beschlossene) Unglück (gerne) überprüft. Und nun, 0 Gott, nimm doch meine Seele von mir, denn besser ist, daß ich sterbe, als 1 vgl. auch Döllinger S. 823: ״Gottes Bache ist der Ernst der göttlieben Gerechtigkeit.... Wenn der Zorn Gottes über die Frevler unter den Menschen in starken Ausdrücken geschildert.... wird, so ist das die notwendige Manifestation der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes gegen das Böse“. Vgl. ferner Hertz, Pentat. zu Exod. 20,5; Weigl S. 48. 2 vgl. Luzzatto, Kap. 4. a. E. 3 vgl. Micha 7,18. 19, 4 Joma 86 a; Sanh, 90 b; Scheb. 13 a; Ibn Esra zu Exod. 20, 5; vgl. Büchler S. 349 ff. 5 Ezechiel 18,27 ff.; 33,11 ff. 6 vor der Mussaf-Keduscha von Bosch Haschana.