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Nahalat tsevi · 1934-10-01 · Heft 1-3 (Oktober 1934) · p. Seite 47

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Journal
Nahalat tsevi
Volume
V (5695) 1934/35
Issue
Heft 1-3 (Oktober 1934)
Date
1934-10-01
Page
Seite 47 (sequence 49)
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47 leiblich-feelifchen Erbgutes. Das grandiofe Volkswerk der Erarbeitung des Rediies und der Weisheit des erdenlrückien Gottesftaates, vom erfien Amauro bis herab zum jüngßen Adi'raun, wuchs, blühte und fruchtete. Und alles zufammen erhob lieh, von der Welt nicht verftanden, als allüberragendes Kulturmonument der Zeit grüßend zum Himmel der Heimat. Aber wie lange noch? Das Schickfal der Entmachtung vollzieht (ich unaufhaltfam, wenn auch in der verhaltenen, tiefverfchleierten Weife, die diefer Periode der Sch’chinoferne eigen ift. Und flehe da: die fiändig drohende Gefahr, daß der felbfiherrliche Autonomismus doch irgend wann und wo im Zuge ״forifchrittlicher" Kulturentwicklung gewinnendere und damit überzeugendere Formen annehmen und fo dem autonomiflifchen Drange im jüdifchen Kreis verftärkten Auftrieb geben könnte - diefe Gefahr wird eines Tages akut. Die fogenannte Aufklärung bringt einen nackl-gottlofen gefellfchaftsfähigen Rationalismus hervor und treibt nicht nur gewinnend, fondern geradezu ßürmifch faugend zur Emanzipation, vor deren Pofaunentönen die letzte Feßung goßesftaatlicher Erziehungsmacht, die taurokratifche Autonomie der Golußgemeinde, fällt - ein klägliches Jericho, aber kaum überrafchend von einer Emanzipaßon, die im Namen der Vernunft kommt und nicht aus - Verftändnis. Mit dem Verluft eigener Gerichtsbarkeit und wirkfamer Banngewalt hat die Entmachtung des jüdifchen Volkes vorläufig ihren Höhepunkt erreicht. Die Bremfe läßt bebend nach. Die Bahn wird frei für Anarchie des Glaubens. Die Bewegung kommt fchnell ins Rafen. Um die gefchleiften Feßungen, die Gemeinden, die heiligen Werkftäßen goßesftaatlicher Erziehung und Bewährung, entbrennt ein erbißertes, geißig-gefellfchaftliches Ringen, Bruderkrieg, traurig, aber in Goßkönigs Namen unerbißlich bis ans Ende durchzufechten. Die Autorität goßesftaatlicher Erziehung wird bis in die Familie hinein erfchüßerl und zertrümmert. Hochmut macht fich breit und breiter anftelle der Demut vor der Ehre und dem Rechthaben Goßkönigs. Taurowidrigkeit flutet von allen Seiten in den heißumßrißenen europäifchen Weßen ein und findet hier nur ganz vereinzelte Hinderniffe, nach Often aber einen langfam zurückweichenden Widerftand. Noch läuft die Rechthaberei auf den Krücken ihrer Deutungskünfte. Die fromme Larve einer gewiffen üblen ״Wiffenfchaft des Judentums" erfcheint als beftrickender Maßenartikel. Immer fchwächer wird die Widerftandskraft der Selbfierziehung; fchon längft iß fie auf fich allein gefiellt; blendende Scheinerfolge autonomer Kunß, Wiffenfchaft und Technik dringen

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