Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 46 (sequence 48)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 78% known words query
- IRI
…/2551369-2551405-2551407--1710-2553226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
46 Sehr frühzeitig11 übte die rechthaberifche Lüge ihr liftiges Verfahren. Sdion die Sadduzäer betrieben den Seelenfang für ihren Unglauben mit interpretierender Manier. Ihnen folgte an der Schwelle des Golub das weit fkrupellofere und radikalere, fich der Myftik bedienende Minub. Den weiteren Verlauf diefer Bewegung können wir aus der Wirkfamkeit etwa des R. Sa’dja, Rambam, Rafchbo zum groben Teil nur erahnen. Sie führte mit wechfelnder Schärfe im Zickzack über die Lichter fogenannter Kulturhöhen bis an die junge Zeitenfcheide des entwicklungsgefchichtlichen Denkens. Soweit war ihre Bahn jedoch noch relativ fchmal und ihr Ablauf ftark gebremft. Das hatte wohl, unter anderem, feinen Grund in der Erfahrung, die der Jude machte, wenn er wieder nach Vorbildern ausfchaute,umauch den geltungslüfternen Trieb in feinem dunklen Drange zu orientieren und anftelle allgemeiner Verneinung ein befriedigendes Syftem zu fetzen. Da fah er rings um fich menfchliche Ehrfucht politifch in einer Aufmachung, die zumeift (und gegen den Juden befonders) zu abftobend war, um überzeugend zu wirken. Und g e i f t i g war die Rechthaberei kaum noch zu areligiöfer Ungläubigkeit gediehen; aber nur die Religion zu wechfeln, hatte diefer Trieb keine Luft. Kurz, alles in allem war die Erfahrung fo reizlos, dab fie durch mehr als anderthalb Jahrtaufende nach dem Staatsuntergang (wie fchon Jahrhunderte vorher für die Gaulo) geradezu behilflich war, anfehnliche Erfatzformen taurokraiifcher Autonomie zu fchaffen. In diefen Selbftverwaltungsgebilden, vom groben babylonifchen Golubzentrum bis herab zur ftraff geführten Gemeinde vor zweihundert Jahren, fand die Tauro wenigftens notdürftigen Erfatz für die verlorene eigenfiaatliche Erziehungsmacht. Hier, in den von den Völkern verachteten und fo oft graufam mibhandelten Kolonien des himmlifchen Gottesftaates, wurde die Bewährungsaufgabe des Golub mit der Selbftverftändlichkeii des Lebens in Angriff genommen. Die entfchloffene Kampfanfage an den Erzfeind, die Urtrieblichkeit, führte über die tapfer gehaltene Hochebene eines gediegenen allgemeinen Muffar hinaus zu immer neuen heldenhaften Vorftöben in der Richtung auf die Höhen von קדושה ,יראה und רוח הקודש. Die Gemeinfchaft der J’rei’im12, unbeftritten in ihrer gefelifchaftlichen Mabgeblichkeif, erzeugte in Generationen von demütigftem Tauroftolz und todesmutiger Akeidobereitfchaft ein konzentriertes Kraftrefervoir edelften 11 s. B’roch. 54 a Raschi ד״זז התקינו עורא. 12 s. w. Kap. 29.