Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
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16 milanten. Durch das Bekenntnis zum jüdischen Volkstum schlechthin glaubten sie den Gegensatz zwischen Religiösen und Areligiösen aufheben, den Gegensatz zwischen Assimilanten und Dissimilanten zugunsten der letzteren entscheiden und dergestalt die Einheit des jüdischen Volkes als unerläßliche Voraussetzung des angestrebten Nationalheims konstituieren zu können. Aber das ,.Volkstum an sich64, bei den Völkern der Erde eine außerhalb der Diskussion stehende Gegebenheit, hat sich im neuen Nationalheim nicht als eine produktive, die Wirklichkeit gestaltende Idee, sondern als eine blutleere, lebensunfähige Abstraktion erwiesen. Denn eben um die Wesenheit dieses ״Volkstums an sich66 geht seit Jahren im Nationalheim der Streit. Es ist nun einmal den Juden, man mag es bedauern oder mag es begrüßen, nicht vergönnt, mit der naiven Unbewußtheit eines Baumes einfach zu wachsen, ohne nach dem Erdreich Umschau zu halten, ohne an die Wurzeln zu rühren. Das ״Volkstum an sich66 bildet im Nationalheim keine Basis für die Einheit des Judentums. Bereits heute gibt es im Nationalheim — drei Volkstümer. Es gibt ein sozialistisches Volkstum, es gibt ein nationalistisches Volkstum, und es gibt ein Thorah-Volkstum. Und daneben schleicht nun gar, seit den jüngsten Ereignissen, auch das Gespenst des — Assimilantentums herum. Das zionistische Rechenexempel stimmt nicht. Es können sich die Sozialisten die Nation und damit auch das Nationalheim nicht anders vorstellen als sozialistisch; die Nationalisten nicht anders als nationalistisch; die Thorahtreuen nicht anders als thorahgemäß. (Die Assimilanten freilich stellen sich, einstweilen, gar nichts vor.) Der Gegensatz zwischen ihnen erhebt sich nicht etwa auf der von ihnen allen bewußt anerkannten gemeinsamen Basis eines ״Volkstums an sich66. Der Gegensatz klafft vielmehr bis in die Abgrundtiefe des Erdreichs und droht gegenwärtig die Volksgemeinschaft geradezu aufzuheben. Die Erscheinungsform dieser Volksgemeinschaft ist aber gerade — Kenesseth Jissrael. Die namenlose Schwäche von Kenesseth Jissrael ist daher lediglich die in Erscheinung tretende namenlose Schwäche der Volksgemeinschaft selber: ein furchtbar warnendes Signal für alle Freunde des Nationalheims. Wirkliches Leben herrscht nur in den Sondergemeinschaften der Sozialisten, der Nationalisten und allenfalls auch der Thorahtreuen. In Kenesseth Jissrael aber gibt es nur ein Scheinleben. Nicht aus Kenesseth Jissrael wachsen die Gegensätze in organischer Gesundheit heraus, sie entwickeln sich viel-