Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 7)
- Belongs to
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5 in den sogenannten konservativen jüdischen Familien überall die Ehe eine jüdische Ehe? Das jüdische Religionsgesetz hat nicht bloß die Mischehe verboten, es hat auch für das eheliche Leben eine ganze Reihe von Vorschriften aufgestellt, deren Übertretung genau so schwer verpönt ist wie Mischehe und Ehebruch. Dieselbe Thora, die mit den Worten לא תתחתן בם (Deuter. 7. III) das Verbot der Mischehe aufstellt — dieselbe Thora will auch die Ehe zwischen jüdischen Ehegatten mit den Worten ואל אשה בנדת טומאתה לא תקרב zu einer wahrhaft jüdischen Ehe gestalten. Das Recht, über eine Mischehe sich zu entrüsten, hat darum bloß jemand, der sich in seiner eigenen Ehe den Vorschriften der Thora unterwirft. Wer das für überflüssig oder lächerlich hält, der darf sich nicht wundern; wenn ihm von Leuten, die in Mischehe leben, auf etwaige Vorhaltungen erwidert wird: ״Kehrt erst vor eurer eigenen Tür!“ Hier, in dieser Gedankenlosigkeit, in dieser Unwissenheit und Gleichgültigkeit, mit welcher auch in sogenannten gut jüdischen Häusern über הלכות אישות und הלכות נדה und הלבות מקוואות gedacht wird, hier liegt der eigentliche Krebsschaden, der in allererster Linie geheilt werden müßte, bevor man an die Sanierung der Mischehe-Epidemie herantreten könnte. Es wäre schon gar viel gewonnen, wenn wenigstens die, die mit dem Judentum auch innerlich Zusammenhängen, die Bande, die sie mit תורה und מצות verbinden, etwas fester knüpfen würden. Ja, wenn alle Orthodoxen so orthodox wären, wie die Liberalen liberal, dann wären auch unsere Liberalen besser; denn dann könnten sie nicht auf allerlei Halbheiten hinweisen, die ihnen als Vorwand für ihre eigene Entschuldigung dienen! תמים תהיה עם ד אלהיך Ganz sollst du sein mit deinem Gott. Die Überhörung dieser Forderung hat seit jeher dem Judentum am empfindlichsten geschadet — in unserer Zeit nicht weniger als zur Zeit der Hasmonäer. Mischehen, Ehebrüche — gewiß, es sind schlimme, verhängnisvolle Erscheinungen. Sie treten aber nicht auf einmal auf. Sie entwickeln sich allmählich und auch nicht immer in einer und derselben Generation. Auch damals zur Zeit der Hasmonäer und ebenso zur Zeit Esras und Nehemias geschah es nicht von heute auf morgen, daß der Bestand des Judentums durch das Überhandnehmen von Mischehen gefährdet wurde. Auch die Entwicklung dieses Übels verläuft nur ganz allmählich. Die Urgroßeltern standen auch in ihrem Eheleben noch fest auf dem Boden der Thora; wußten sie ja, was alles abhängt von der strengen Beobachtung dieser ehelichen Reinheitsgesetze. Wußten sie ja, daß nur solche