Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- V (5695) 1934/35
- Issue
- Heft 1-3 (Oktober 1934)
- Date
- 1934-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Belongs to
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4 von dem, was sie sein 8011. Denken wir bloß an die zahlreichen Mischehen, die in den letzten Jahrzehnten in den Kreisen der deutschen Judenheit geschlossen wurden. Es ist noch gar nicht 80 lange her, da war in jüdischen Kreisen die Mischehe eine Seltenheit, und wenn sie vorkam, dann wurde die oder der Betreffende von Verwandten uud Bekannten gesellschaftlich boykottiert. Das ist heute wesentlich anders geworden. Die Zahl der Mischehen wächst, in jüdischen Kreisen sogar verhältnismäßig rascher als in christlichen. Denn während bei den Protestanten und Katholiken die Zahl der Mischehen während des Krieges sich wesentlich verringert hat, ist sie bei den Juden von 31% auf 53% während des Krieges gestiegen. Mag diese Erscheinung nun auf die furchtbaren Lücken zurückzuführen sein, die der Krieg in die Reihen der männlichen Jugend riß, wodurch sich die Aussichten auf eine Heirat mit Gleiehgläubigen verschlimmert haben, oder mögen noch andere Gründe mitsprechen — das eine steht fest: ״Wenn wir uns die entsetzliche religiöse Verwahrlosung vergegenwärtigen, die uns diese Zahlen verraten, so werden wir einsehen, wie recht unsere alten Weisen gehabt haben, wenn sie sagten ״ רשעים אפילו בםתחו של גיהינם אינם חוזרין בתשובהGesetzlose machen nicht einmal vor der Pforte der Hölle kehrt“. Wenn aber nicht einmal die Hölle des Weltkrieges zur תשובה führte, אם לא עכשו wenn nicht jetzt אמתי wann denn? Diese rapid wachsende Zahl der Mischehen ist aber nicht einmal das Schlimmste. Viel schlimmer ist, daß wir’s allmählich verlernen, uns darüber aufzuregen, daß wir uns allmählich damit abgefunden haben. Unsere Aufregung gilt nicht der Statistik der Mischehen, sondern der Statistik der Judenzählung. Gegnerschaft gegen die Judenheit bringt unser Blut in Wallung, jedoch die jüdische Feindschaft gegen das Judentum läßt uns kalt. Wer hat schuld an diesem furchtbaren Mißstand, und was ist dagegen zu machen? Was zunächst die Schuld frage betrifft, so ist es ja vollkommen zwecklos, diejenigen zu verdammen, die sich zu dem Verhängnisvollen Schritt der Mischehe entschließen. D i e waren schon vorher, bevor sie diesen Entschluß faßten, dem Judentum mehr oder weniger verloren. Wohl aber dürfte es nicht ganz zwecklos sein, einmal die Frage aufzuwerfen, ob denn in den jüdischen Kreisen, die sich zu einer Mischehe niemals entschließen würden, alles vermieden wird, was nur irgendwie geeignet ist, den Begriff der jüdischen Ehe zu verfälschen, zu untergraben! Ist denn wenigstens