Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1934-08-01 · Heft 11-12 (August 1934) · p. Seite 294

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 11-12 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 294 (sequence 16)
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2551369-2551397-2551404--1618-2553133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

294 die Folie zu zeichnen, auf der tatsächlich das Kommentierungswerk seines Großvaters aufgebaut ist. Er mag dabei von der Erwägung ausgegangen sein, daß die Zeiten insofern anders geworden sind, als tatsächlich die Betrachtungen, die im Jahrhundert nach den Frankisten einerseits, nach den Kämpfen um den Gaon Rabbi Jonathan Eibeschütz andererseits so sehr am Platze waren, heute minderen Gewichts sind. Man kann, das ist sicher des Verfassers Meinung, der heutigen Welt einen Einblick in jene esoterische Welt mit größerer Beruhigung gestatten, die sicher immer in der Einstellung der Tradition zur Thora wirksam war. Aber, seien wir einmal ganz offen, die Gegnerschaft gegen Hirsch beruht ja zum allergeringsten Teil auf dessen Standpunkt in Weltanschauung und Bibelerklärung. Worin man viel mehr von ihm abzurücken, oder richtiger gesagt, abzudrängen versucht, das ist seine Auffassung von der jüdischen Gemeinde, von ihrem Aufbau und von ihrem Sinn, im weiteren Radius seine Auffassung von den jüdischen Gemeinschaften, welche über den Rahmen der Ortsgemeinde hinausgehen. Was in dieser Hinsicht der Kusari III bietet, ist die überraschende Ehrenrettung des so viel mißdeuteten Zeitgenossen von Hirsch זצ״ל, des Würzburger Rabbiner Bamberger זצ״ל. Wir erfahren, daß in den Grundlinien von dieser Auffassung beide Gaonim einig gingen und daß alle, die sich auf Bamberger berufen, nun auch eben die Konsequenzen seiner Anschauungen und seiner wahrlich nicht weniger radikalen Forderungen, als es die von Hirsch waren, entschlossen zu ziehen bereit sein müßten. Noch eine kurze Bemerkung: Wenn die Gaonim in Jerusalem sich gegen ein Nebeneinander von Thora wissen und profanem Wissen aussprechen, so ist das begreiflich und historisch zu rechtfertigen. Wenn aber Menschen, die nur profanes Wissen, zum mindesten quellenmäßig nur solches ihr eigen nennen, jetzt dem Thora-im-derech-erez-Standpunkt Rabbiner Hirschs das Stigma ehrloser Assimilation aufdrücken möchten, so können wir ihnen nur raten, den Kusari I und den Kusari III nochmals gründlich zu lesen. P. K.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.