Mannheim
Compact Memory

Nahalat tsevi · 1934-08-01 · Heft 11-12 (August 1934) · p. Seite 293

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 11-12 (August 1934)
Date
1934-08-01
Page
Seite 293 (sequence 15)
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2551369-2551397-2551404--1617-2553132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

295 tion der Gedankenreihe seines Meisters, Fortbildung meinetwegen, nicht aber Umbiegung. Es wird aber in den Kritiken, die ja zum Teil mehr eine etwas postume Kritik an Hirsch als an Kusari III sind, diese Umbiegung hauptsächlich an einem Kapitel gerügt, an dem des esoterischen Einschlags in Exegese der heiligen Schrift, der esoterischen Grundlage der Weltanschauung, kurz an dem der Kabbala in Hirschs Verhältnis zu ihr. Aus wohlerwogenen Gründen hat der Verfasser des Pentateuch- und Psalmenkommentars fast stets den Quellennachweis unterlassen. Es gibt aber schlechthin keinen traditionstreuen Kommentar, der nicht manches, ja sogar vieles aus den Grundlehren der Kabbala entlehnt hätte, auch die sogen, rationalistischen Erklärer nicht, wie z. B. Ibn Esra und Raschbam. Man könnte wohl aber etwa folgendes feststellen, und darin ist Hirsch die Wege des Moreh Nebuchim gegangen. Weit über die Grenzen des jüdischen Forschens hinaus ist die denkende Welt von jeher zwei Wege gegangen. Entweder man versuchte das Irrationale zu rationalisieren, ohne hier das Irrationale leugnen zu wollen, man hat vielmehr die Grenzen für das Verständnis dieses Irrationalen erweitert, oder man hat das scheinbar Rationale irrationalisiert; ohne bestreiten zu wollen, daß es eine ganze Anzahl von Dingen und Erscheinungen gibt, die wir sinnlich wahrnehmen, nach logischen Normen beschreibend darstellen können, hat man doch etwa nach Goethe’schem Rezept von dem Mehr der Dinge, das sich die Schulweisheit nicht träumen läßt, zu beweisen unternommen, daß auch das scheinbar Rationalste tief jenseits der Sinne im Metaphysischen wurzelt. Der Durchstoß nach dem Ding an sich in der Philosophie und im — Kusari III ist Schulbeispiel für die erste Methode, die Naturphilosophie Schellings, ja sogar die Naturpoesie Jacob Boehmes, Boelsches und Karl Jentschs für die zweite. Man könnte sagen: die Lehre von dem Eigenleben, von der Realität der Laute in der heiligen Thora bei der esoterischen Tradition und die etymologischen Wege von S. R. Hirsch sind Zweige an demselben Baum, und daß Hirsch die erste Methode sich zu eigen machte. Wenn nun auch immer wieder die Behauptung laut wird, Hirsch hätte der heutigen ״Jugend“ nichts mehr zu bieten, so ist das hinreichend damit erklärt, daß eben unsere Zeit mehr Gefallen an der zweiten Methode hat. Der Nimbus der Relativität hat sie bedeutend beeinflußt. Nun hat der Verfasser des Kusari III es unternommen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.