Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 258 (sequence 40)
- Belongs to
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258 Wörtern finden, denen die Kultur der Begriffe das Leben noch nicht aus den Adern gesogen hat: Lautmalereien, Sprach- und Dialekteigentümlichkeiten, Volksausdrücke, Dichterworte, Ausrufe, sowie die Kindersprache in allen ihren drolligen Abarten. Und dann auch jene persönlichsten Worte des Lebens und seiner Geheimnisse: Gott, Tod, Ich, Du usw. find oft noch nicht eingefroren vom eiligen Hauche lebensertötender Begriffserstarrung, der Nabelstrang des Lebens ist meist noch nicht abgefchnürt. Die tausendfach gegurgelten, ausgequetfchten Wortmassen des tagtäglichen Gebrauches find jedoch nichts als Begriffe, ohne Brücke zu den Tiefen des Lebens. Die Urmenfchen, denen diese Worte Naturlaute waren, tönende Wiedergabe der Umweltseindrücke, haben bei der Namengebung der Dinge das Leben sprechen lassen, unerkannt, ihnen selber unbewufit. Es gehört zu den Seltenheiten aber, wenn unser zeitgenössifcher Worifchatz Saiten unsres innersten Ichs zum Erklingen bringen kann. Hier liegt die hohe Aufgabe jeder Kultur, die Sphäre des Wortes einzugliedern in das Leben. - ״Sinn der Sprache ist, da& das, was in der Seele des Sprechenden vorgeht, in die Seele des Hörenden gelange״ (Kusari II. 72). Die Sprache des Lebens wendet lieh an das Leben, an die Menfchenseele als Quell dieses Lebens. Unser jüdisches Leben kann somit am tiefsten durch die Sprache der Thora angesprochen sein. Nicht nur in der Schrift auch in der direkten Rede von Mund zu Ohr. Solange daher לשון הקדש ihre heilige Lebendigkeit wahrt, ist fie das Einfallstor in die Landfchaft der Thora und ihrer köstlichen Frucht. Das sei Mahnung an Viele. Die Erlernung der heiligen Sprache ist eine hohe Verpflichtung (רםב*ם פהמ״ש לאבות), gleiche Werifchätzung heifchend wie der Bund der Mila und das Peßachopfer (עיין שם ם*ב מ״ח), aber auch gleiche Ehrfurcht. Leider flicht fich in so vieles Neuhebräische die gleiche Schnoddrigkeit ein, rein begriffliche Übereinkunft, die das heilige Leben unsrer Sprache totfchlägt. — Um die wissenfehaftliehe Unfehlbarkeit von Rabb. Hirfch’s וצ״ל Sprachforfchungen mag der streiten, der nicht das heilige Leben des לשון הקדש erfühlt, dem diese Sprachdeutung entsprudelt war. Das Leben fragt nicht nach dem Seziermesser der zünftigen Sprachwissenfchaft, das jüdifche Leben fchon einmal gar nicht. Das Leben fragt nur nach Leben. Leben wir jüdifch, und wir werden das rechte jüdifche Wort fchon finden. Neu-Hebräifch soll nicht im ״Neu-Jüdifch״, sondern im Altjüdifchen münden. Sonst wird die ״T’chiath hasafah" nur Galvanifierung eines Leichnams und niemals Herzfchlag. Heilig