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Nahalat tsevi · 1934-06-01 · Heft 9-10 (Juni 1934) · p. Seite 250

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Nahalat tsevi
Volume
IV (5694) 1933/34
Issue
Heft 9-10 (Juni 1934)
Date
1934-06-01
Page
Seite 250 (sequence 32)
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verstanden, diese Feindschaft gegen die Juden auch den Bauern einzuimpfen. Am meisten aber litten sie unter dem Uebermut der Adeligen. Diese bedienten sich der Juden zu ihrem Vorteile und spielten sie gegen den Bürger, wie auch gegen die von ihnen — den Adeligen — beispiellos bedrückten und ausgesogenen Bauern aus. Die Juden waren ein Spielball ihrer Launen, sie zogen sie heran, wo sie sie brauchten, um 9ie wieder wegzuwerfen, sofern sie ihrer nicht mehr bedurften. Dies ist ungefähr das Bild jener ״glücklichen Zeit“ in Polen. Und doch priesen sich die Juden glücklich, weil sie einen Ort hatten, wo sie ihr müdes Haupt niederlegen konnten. Aber auch inmitten dieser Erniedrigung bewiesen sie, daß sie das Volk Gottes seien. Inmitten aller Mühsal, die ihnen auch in Polen, nicht erspart geblieben ist, errichteten sie daselbst der תורה ein Heim, das Jahrhunderte hindurch dem jüdischen Volke sein geistiges Gut erhalten sollte. Hier erstanden bald ישיבות ohne Zahl, hier gaben sich Tausende und aber Tausende dem Lernen hin, wie man es in anderen Ländern in dieser Intensität nicht gesehen hatte. Das Lernen ward Gemeingut aller. So zog sich über das damalige Polen ein dichtes Netz von größeren und kleineren Thoraschulen. Es ward überall gelernt und zwar mit einer Hingabe, mit einem מסירת הנפש sondergleichen. Es währte nicht lange und das Bild hatte sich vollständig gewandt. Waren es früher Deutschland und andere westliche Länder, von denen die Thora Wissenschaft ausgegangen, so mußten die Wissensdurstigen nunmehr ihre Schritte nach dem Osten lenken, um in den ישיבות von Polen zu lernen. Mit der Zeit kam es so weit, daß die meisten deutschen Gemeinden gezwungen waren, sich ihre geistigen Führer aus Polen zu verschreiben, besonders aber die größeren Gemeinden, die Wert darauf legten, daß ein bedeutender Gelehrter an ihrer Spitze stehe und eine ישיבה in ihrer Mitte leite. Wenn wir einen Beweis für die Kraft und geistige Regsamkeit der Judenheit Polens erbringen wollen, so brauchen wir nur auf die sogenannte Vierländersynode, auf den ועד ארבע ארצות hinzuweisen. Ausgerechnet in dem Lande, in welchem in nichtjüdischen Kreisen von Ordnung, von organisatorischer Ein- und Unterordnung der einzelnen Volksteile unter das Ganze und im Interesse des Ganzen keine Spur vorhanden gewesen ist, in diesem Lande brachten es die Juden aus eigener Kraft so weit, daß sie sich gewissermaßen eigene Behörden, Gerichtsbarkeit, ja so-

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