Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 248 (sequence 30)
- Belongs to
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246 Auf diese Zeit, die doch, in dem einen Lande mehr, als im anderen, eine Blüteperiode der Wissenschaft bedeutet hat, folgte — etwa vom Schlüsse des 13. Jahrhunderts — eine Zeit der Stagnation. Diese Veränderung auf dem Gebiete des Thoralernens ward hervorgerufen durch die überaus traurige Lage, in welcher sich die Juden dieser Länder befunden haben. Die fürchterlichen Verfolgungen infolge des schwarzen Todes (1349), die Vertreibung der Juden aus Frankreich, verbunden mit der Verbrennung von 24 Wagen voll Talmudmanuskripten (um 1400) und vollends die gewaltige Katastrophe, die die Juden Spaniens und nicht lange danach Portugals betroffen hat; in Deutschland die sehr traurige Gestaltung der politischen Lage der Juden, die sie schließlich zum Kammergut, zu Kammerknechten der jeweiligen Kaiser werden ließ, all diese traurigen Momente sind nicht geeignet gewesen, das Geistesleben zu heben und zu fördern. Die besten Kräfte rieben sich in dem heroischen Kampfe auf, den sie allenthalben führen mußten, um ihr nacktes Leben zu retten und um sich ihren Glauben erhalten zu können. Das Geistesleben mußte in diesem schweren Kampfe um das bloße Dasein ganz und gar erlahmen. Die großen ישיבות dieser Länder mußten nach und nach ihre Pforten schließen. Mit dem Ende des 15. Jahrhunderts scheiden Frankreich und Spanien als Pflege- Stätten der Thora vollkommen aus, in Deutschland ging es immer mehr abwärts und nur wenige Reste der alten Herrlichkeit haben sich in manchen großen Gemeinden erhalten. Die Thora hat nun wieder zum Wanderstabe greifen müssen. Der Zug ging nunmehr wieder zurück nach dem Osten. Zum Teil fand sie ihren Weg zu ihrem eigentlichen Ausgangspunkte hin, nach ארץ ישראל. Dort hatten sich schon früher, als mit Ende des 13. Jahrhunderts רמבן nach Jerusalem gekommen war, Ansätze zu neuen ישיבות gebildet. Später war die Einwanderung nach איץ ישראל durch die Toleranz der jungen Türkei besonders begünstigt. Wurden doch die Juden Europas geradezu feierlich dazu aufgefordert, in das gastfreie türkische Reich zu kommen. Auf Veranlassung zweier deutscher Juden, die nach dem Orient gekommen waren, richtete Isak Zarfati an die Juden des Rheinlandes, Steiermarks, Mährens und Ungarns die Aufforderung, ihre unfreundliche Heimat zu verlassen und in das Land zu kommen, woselbst ihnen eine menschliche Behandlung zuteil werde. In erster Reihe sind es jedoch spanische Juden gewesen, die vor der Inquisition flüchteten und ihre Schritte nunmehr