Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 230 (sequence 12)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2551369-2551397-2551403--1549-2553063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 Kleide der — Gewohnheit. Wir trugen das Leid unseres Caluth und setzten ihm die ganze individuelle Frömmigkeit unseres Herzens, die ganze, am Lernen gewonnene Klarheit unseres Geistes entgegen, und hofften und warteten. Nur manchen unter uns barst das Kleid der Gewohnheit und steigerte sich das Weh der Ferne von Gottes Land, das Weh der Entbehrung sühnender Korbanoth, das Weh der Verstümmeltheit der Thora, bestimmt, mit ihren ans Land gebundenen Institutionen ein volles nationales Dasein zu regeln, bis zur Aktualität eines unmittelbaren Erlebnisses, das sie dazu trieb, unter unsäglichen Gefahren und Entbehrungen die Tränen dieses Wehs ins Land des Wehs zu tragen. Dann kam die Zeit der Judenemanzipation, des neuen Antisemitismus, des Zionismus, des Weltkriegs, der Balfour-Deklaration, des Gola-Elends und des Palästina-Aufschwungs. Ich sehe in all diesen, das jüdische Volk bis in seine tiefsten Tiefen erschütternden Ereignissen rückblickend und vorblickend einen einzigen großen Ruf Gottes an sein Volk zur Rückkehr in die eigene Geschichte: zur höchsten Aktualisierung des Bewußtseins des Chorban und, vor allem, des Gefühls für den Chorban, zur Konzentration des Gesamtbewußtseins und des Gesamtgefühls auf die uns verheißene nationale Zukunft, zur höchsten Steigerung der tatenwilligen Treue zu Gott und seiner Thora in der ganzen Diaspora und zur höchsten, zur opferfreudigsten Anstrengung des thoratreuen Volkes und aller seiner Glieder, daß der neue Weg, den die Gesamtheit der geschichtlichen Ereignisse, vor allem die Balfour-Deklaration, verbunden mit den unermeßlichen Fortschritten der Technik, zwischen uns und unsere nationale Zukunft gelegt haben, nicht zu dem grauenvollen Chillu‘1 Haschern eines thoraentfremdeten Nationalheimes in Palästina, sondern zu dem von allen Propheten der Verheißung gesegneten Kiddusch-Ha- Schern eines nationalen Thoraheims in Gottes Lande führe. In diesem Sinne verstehe ich unter der Rückkehr des jüdischen Volks in seine Geschichte die tiefst bewußte und tiefst gefühlte Verknüpfung seines Gegen wart erleb ens mit seiner entschwundenen nationalen Vergangenheit und seiner verheißenen nationalen Zukunft. II. Die Verknüpfung unseres Gegenwarterlebens mit unserer entschwundenen nationalen Vergangenheit und unserer verheißenen nationalen Zukunft: dieser Satz stellt die kürzeste