Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 9-10 (Juni 1934)
- Date
- 1934-06-01
- Page
- Seite 229 (sequence 11)
- Belongs to
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229 guts noch Sinn und Verständnis besitzen. In unserer Zeitschrift ist die Rede zum ersten Male erschienen, mit der Isaac Breuer seine Aktion begonnen hat. Inzwischen ist diese Rede in vielen Tausenden von Exemplaren durch die Agudistische Palästina-Zentrale verbreitet worden, haben Tausende von Menschen Isaac Breuers lebendiges Wort vernoi»- men, Orthodoxe, Zionisten, Liberale, mit leidenschaftlicher Zustimmung, in leidenschaftlicher Abwehr, stets aber voll starker innerlicher Teilnähme, und haben auch die gegnerischen Zeitungen das Ihre dazu beigetragen, um die Aktion allmählich zu einer Bewegung zu entwickeln« Zahlreiche Zuschriften aus den Reihen unserer Mitglieder und Leser veranlaßten uns, unseren verehrten Mitarbeiter zu ersuchen, die grundlegende Ideologie der von ihm inaugurierten Bewegung in folgendem niederzulegen. Die Schriftleitung. I. Jeder Bewegung liegt eine Idee zugrunde, die den unmittelbaren Zwang zur Tat in sich birgt. Die Idee der neuen Bewegung ist die Rückkehr des jüdischen Volkes in die Geschichte. Das jüdische Volk ist eine geschichtliche Erscheinung. Bia zum Untergang des jüdischen Staats und dem Verlust einer jüdischen Zentrale besaß das jüdische Volk auch geschichtliche Handlungsfähigkeit. Alsdann trat seine Zerstreuung über die ganze Erde ein, und es bewährte sich seine Selbstbehauptung trotz der Zerstreuung. Zerstreuung und Selbstbehauptung sind geschichtliche Tatsachen von unerhörter, zudem geweissagter Einzigartigkeit, aber nur Zeugnisse der unverwüstlichen Fähigkeit zur duldenden Hinnahme geschichtlichen Leids, nicht aber Zeugnisse wirklicher geschichtlicher Handlungsfähigkeit. Eher könnte noch die Entwicklung und Rezeption des Schulchan Aruch, eines der merkwürdigsten geschichtlichen Wunder, als ein solches Zeugnis gewertet werden. Immerhin ist die Rezeption des Schulchan Aruch nicht durch einen einmaligen, zeitlich nachweisbaren Willensakt erfolgt. Auch leistet er, in charakteristischem Gegensatz zum Werk des Rambam, Verzicht auf die systematische Dar- Stellung derjenigen Rechtsinstitute, deren Erfüllung von der Verwirklichung unserer nationalen Zukunft abhängt. Diese nationale Zukunft war in den vergangenen Jahrhunderten wesentlich Mittel unserer inneren Aufrichtung, Gegenstand unseres intensiven Lernens, Ziel unserer innigen Sehnsucht: Ruf zur nationalen Tat war sie nicht. Wir wußten, daß zwischen uns und unserer nationalen Zukunft Wege der Gewalt nicht liegen, und andere Wege gab es nicht. So schwanden die Zeiten lind deckten die grauenvollen Risse unseres Galuth mit dem