Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 218 (sequence 56)
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215 vermag, verfallt damit in den gleichen Fehler der ״Subjektivität des Auswählens und Sonderns", deffen verhängnisvollen Folgen er in feiner Betrachtung der Vergangenheit wiederholt aufzuzeigen Gelegenheit genommen hatte. Uns fcheint, da& in unferer heutigen Lage in der Tat, um mit dem Verfaffer zu fprechen, nur die Wahl: ״Alles oder Nichts* gegeben ift. Die Lage verträgt keine Halbheiten mehr, kein ״Hinken auf beiden Seiten*. Der vom Verfaffer empfohlene Ausweg kann, bei aller Anerkennung feines Wahrheitsftrebens, darum zu nichts führen, weil er mitten auf dem Weg ftecken bleibt, weil eine folche vor der letzten Entfcheidung abbiegende Weltanfchauung keinen ftarken, unerfchütterlichen feelifchen Rückhalt bieten kann. Es gibt heute als unwandelbar gefeftigten Standpunkt nur das hiftorifche Judentum in feiner Ganzheit, ohne Vorbehalte und Kompromiffe, - oder den Rückfall in ein fäkularifiertes nationales Pfeudojudentum. Alles was dazwischen liegt, wird immer ftärker zerrieben werden und mit der Zeit zu völliger Bedeutungslofigkeit herabfinken. Das glücklich überwundene Zeitalter des Individualismus follte jetzt nicht in neuer Form wieder heraufbefdiworen werden. Statt deffen mühten die verantwortlichen Führer des liberalen Judentums den Mut finden, die Irrtümer der Vergangenheit entfchloffen zu beteiligen, das Steuer des jüdifchen Schiffes wieder herumzuwerfen und ihren Anhängern in ihrer Geiftesverfaffung nicht weitmöglichft entgegenzukommen, fondern von ihnen das ganze unverfälschte Judentum zu fordern. Es rückt eine Zeit heran, in der man Schwächliche Standpunkte verachten, aber für Starke Worte, ganze Taten und fette Führung zutiefft dankbar fein wird. Die Stunde der Entfcheidung ift jetzt gekommen! Ein offener Brief der agudistifchen Arbeiter-Organifafion in Erez Jisroel. Anlässlich der jüngsten Streikunruhen in Kefar Saba wurde die Nachrieht verbreitet, dass auch die agudistischen Arbeiter an dem Streike aktiv teilgenommen haben. Der als Thoragrösse bekannte Leiter der Jeschiwah Baranowitz, Herr Oberrabbiner E. Wassermann, hat auf Grund dieser Gerüchte seine warnende Stimme dagegen erhoben, dass die agudistischen Arbeiter, etwa anderen Arbeiterorganisationen zu Liebe Streikmethoden gegen jüdische Arbeitgeber nachahmen, die dem Geiste der Thora widersprechen.