Nahalat tsevi
- Journal
- Nahalat tsevi
- Volume
- IV (5694) 1933/34
- Issue
- Heft 7-8 (April 1934)
- Date
- 1934-04-01
- Page
- Seite 217 (sequence 55)
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217 meinen Rundblick eine im ganzen gerechte und verftändnisvolle Würdigung. Tritt fchon in diefem Buch der Refpekt vor der durch die Offenbarung begründeten jüdifchen Tradition deutlich zu Tage, fo verftärkt fich diefer Eindruck weiterhin in den die ״Religion der Gegenwart" behandelnden Auffätzen. Ehrlich bleibt der Verfaffer um die Wiederaufrichtung des religiöfen Geiftes bemüht und fucht zunächft die verloren gegangene Vorausfetzung, nämlich den Glauben an fich, erneut zu fundieren. Auf den erften ausgezeichneten Auffatz über ״Echten Glauben und lichtechten Erfatz" folgen weitere fünf, die alte Grundprobleme, die Stellung zur Bibel, zu den Propheten, zu Offenbarung und Tradition, zur Gefchichte und endlich zur jüdifchen Erziehung behandeln. Vorteilhaft heben fich diefe gründlichen, von tiefem Ernft getragenen Unterfuchungen von den phrafenhaften, auf Maffenwirkung hinzielenden, fich weit mehr an der Oberfläche bewegenden Betrachtungen eines Joachim Prinz ab, der für die Löfung des Judenproblems Schließlich nichts anderes als den allgepriefenen völkifchen Nationalismus zu bieten weiß. Was uns jedoch felbft bei folchen pofitiv aufbauenden Autoren nachdenklich ftimmen muß, das ift die ftarke Referve, die immer noch gegenüber beftimmten Prinzipien des Judentums beobachtet wird. Der Verfaffer lieht lieh ״vor eine gewiffe Schwie- ״rigkeit gefteilt, die durch das eigentümliche Schickfal der Über- ״lieterung bewirkt worden ift. Indem nämlich biblifche und in ״nicht geringem Umfange auch die lieh anschließenden Traditions- ״Schriften kanonifiert, das heißt als heilig und bis zum letzten ״unbedingt glaubwürdig und autoritär betrachtet wurden, fcheint ״nur die Wahl: alles oder nichts gegeben. Aus diefem Dilemma ״retten wir uns in eine unbefangene Sinnesart, für welche jene ״Kanonifierung wohl ein intereffantes Stück der Religionsgefchichte, ״nicht aber die unumgängliche Vorausfetzung der eigenen Gläu- ״bigkeit ift. Und wenn es auf diefem Standpunkt auch nicht ohne ״eine gewiffe Subjektivität des Auswählens und Sonderns abgeht, ״fo heißt das keineswegs unteren oberften Grundfatz leugnen, ״daß das heilige Buch und was an diefes fich anrankt Gottes ״Offenbarungswillen in lieh birgt". Diefes Refervat, das der Verfaffer wohl dem unentwegt vorherrschenden Zeitgeift zugeftehen zu müffen glaubt, heißt nicht mehr und nicht weniger als den von ihm felbft geforderten religiöfen Willen wieder ins Nichts zu verflüchtigen. Der Verfaffer, der die Tragweite Solcher Erklärungen ja genau abzuichätzen